© Neue Visionen

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Lasziv fragt die unbekleidete Camille ihren Mann Paul, ob ihm ihre Füße gefielen, ob er finde, dass sie einen süßen Hintern habe, er ihre Brüste als ganzes oder nur deren Spitzen möge und ob er ihre Schultern nicht zu eckig finde. Beide liegen auf dem Bett ihres Appartements, die auffällige Beleuchtung wechselt von Rot über Weiß zu Blau. Diese Szene – ein Zugeständnis des Regisseurs Jean-Luc Godard an die Produzenten, die sich „mehr Sex“ im Film wünschten – steht am Anfang einer Geschichte, in der Camille, verkörpert von der erotisch-spröden Brigitte Bardot, beginnt Paul zu verachten, weil er nicht nur im Begriff ist, Verrat an ihr, sondern auch an der Kunst des Filmemachens zu begehen. Um das Ehedrama herum spinnt sich ein werdender Film im Film unter der Leitung des Stummfilmmeisters Fritz Lang über Odysseus‘ Irrfahrten auf dem Mittelmeer. Große Fragen des Kinos wie des Lebens drängen sich auf: Kunst oder Kommerz? Geld oder Moral?

Die eindringliche Musik von Georges Delerue ist fortlaufendes Thema des Films, wird jedoch häufig von den Stimmen Camilles und Pauls im voiceover unterbrochen, die nicht nur über Plotentwicklungen, sondern auch über credits und technische Details des Films Le Mepris informieren. Unermüdlich reflektiert der Film sich und die ihn produzierende Industrie, lässt uns teilhaben an seiner Entstehung wie seiner potentiellen Zerstörung. Immer wieder signalisiert er unvermittelt, dass man gerade einen Film anschaut und gebraucht selbst-reflexive Mittel künstlerisch frei zur Unterstützung der Handlung: Farben werden ebenso augenfällig inszeniert wie jump cuts, sichtbare Dreharbeiten und die avantgardistische Architektur des Filmsets auf Capri.

Godard zitiert, wiederholt und dekonstruiert filmische Konventionen und Theorien und drückt so seine Verachtung für die Filmindustrie in Hollywood aus während er gleichzeitig ein meilensteinhaftes Monument der Liebe zum Film, zum Filmemachen und Filmeanschauen errichtet. Die klare Stellungnahme des Films zur Kommerzialisierung der Filmkunst hat an Aktualität fast noch gewonnen und sucht bis heute ihresgleichen.

Französisch mit deutschen Untertiteln
Spieltermine
: 19.09. 20:00 | 20.09. 22:15 | 21.09. 20:00 | 23.09. 20:00