Schlingensiefs ContainerAusländer raus! Asylanten? Raus! Die Künstlerschweine gleich hinterher werfen. Noch besser: Alle gleich köpfen, direkt neben der Wiener Staatsoper, auf dem „Platz der himmlischen Hinrichtung“ – Faschismus, Nationalismus, Zynismus? Kann man denn überhaupt den alltäglichen Zynismus der Medienlandschaft noch überbieten? Diesen und noch einigen anderen unangenehmen Fragen geht die Dokumentationen rund um Schlingensiefs Container nach.

Wir schreiben das Jahre 2000, vier Monate nachdem die rechtspopulistische Partei FPÖ unter der Leitung von Jörg Haider in Österreich zweitstärkste Kraft wurde, steht in Wien vom 11ten bis 17ten Juni ein Container. In diesem: Asylbewerber kurz vor ihre Abschiebung und Kameras; um diesen: Wahlsprüche der FPÖ, Unsere Ehre heißt Treue, Presse, eine Masse an Mengen. Eine Woche lang: Ausnahmezustand. Die Asylanten werden beobachtet und per Telefon und Internet aus dem Land geworfen – Big Brother lässt grüßen: Volksverhetzung 2.0 – „Klar, dass Konzentrationslager populäre Metaphern der „Post-it-all“ Technoneuzeit, der rundum verkabelten Wohlstandsparanoia sind.“

Was Schlingensief – dieser Künstler! – geschaffen und als Poet eingefangen hat, geht an die Grenzen und teilweise darüber hinaus. Aus Provokation wird handgreifliche Aktion, aus Produktion ein keifende Demonstration – aufgezeigt und angezeigt. Allerlei Stimmen schalten sich ein, von links, von rechts, aus der Mitte, von oben und unten – Chaos! Kritik braucht kein Kommentar, Kritik kann das bloße Zitat sein / das bloßgestellte Zitat, das sich nackt uns zeigt.

Zur Entstehung des Films von Paul Poet

März 2000. Ein deutsch-österreichisches Telefonat. Als damaliger Festivalkurator versuchte ich den Schockregisseur Christoph Schlingensief als Präsentator einzuladen. Preisverleihungsgala des ersten europäischen Internet-Filmfestivals. Leider keine Zeit. Theaterverpflichtungen in Graz. Aber da hätte Herr Schlingensief noch eine Idee. Eine Sommeraufführung für die „Wiener Festwochen“ war gerade als zu teuer abgesagt worden. Aber das Angebot war prinzipiell noch da. Eine selbst verfasste Kolumne zum „Big-Brother“-Phänomen hatte Schlingensief angeregt. Warum sollte man das nicht als mediales Szenario verwenden, um das Bild vom fremdenfeindlichen Österreich, vom Rechtspopulisten Haider durchzuspielen. Konnte eine solche Kunstaktion auch im Netz funktionieren? Wie der Container in Hürth?

Spieltermine:
Do, 04.04. 20:00 | Fr, 05.05. 22:15 | Sa, 06.04. 20:00 | Mo, 08.04. 22:15
Fr, 12.04. 20:00 | Sa, 13.04. 22:15 | Mo, 15.04. 20:00