Macbeth [1948]

Zur Stadttheater-Premiere von Romeo und Julia fischt das Zebra aus seinem Zauberkessel einen Hochkaräter, „den Theaterfilm schlechthin“ (ZDF neo).

Schauplatz: das wilde, frühgeschichtliche Schottland, geprägt von Kräften des Chaos, Priestern der Hölle, Zauberern und Hexen. Von diesen hört Macbeth, ein tapferer Soldat, die Prophezeiung künftiger Größe. Auf dieses Stichwort hin mordet er, zunächst seinen König, und besteigt dann den Thron als Tyrann. Dass die Hexen ihm nicht sein Glück geweissagt, sondern ihn verdammt hatten, glaubt er bis zuletzt nicht. Wie immer bei Shakespeare geht es auch in Macbeth um Grundsätzliches: Ist das Schicksal eines Menschen vorbestimmt oder kann er sich frei für Gutes oder Böses entscheiden? Wann ist es legitim, einen Herrscher zu ermorden?

Shakespeare stellt in Macbeth einen mythischen Vorfahren des zu seiner Zeit (1606) regierenden Königs von England auf die Bühne. King James I. war kurz zuvor einem Mordanschlag (dem ruchlosen Gun Powder Plot von 1605) entgangen.

Und Orson Welles? Er inszeniert mit einem Minimal-Budget in nur 21 Drehtagen keinen Spielfilm, sondern ein verfilmtes Theaterstück, lässt seine Truppe des Mercury Theatre theatertypisch (über-) chargieren und stattet sie mit urzeitlichen Kostümen und minimalistischen Requisiten aus. Geradezu surreal stilisiert entfalten wilde Felskulissen und klaustrophobische Grotten, scharfe Licht-Schatten-Kontraste, bleierne Nebel und stumpfe sternenlose Nächte, gefilmt aus extremen Kamerawinkeln, hohe Suggestivkraft.

Ein Highlight ist natürlich das Spiel von Orson Welles in der Hauptrolle: packend, intensiv, dämonisch besessen, selbst ein Getriebener, mit Anklängen an Citizen Kane.

Welles kreiert eine zusätzliche, bei Shakespeare nicht vorkommende Figur: Den Priester. Dieser, angeblich ja Sinnbild der humanen christlichen Religion, ist aber perfiderweise als fast unheimliche, druidenähnliche Gestalt angelegt und tritt weniger als Antipode zu den Hexen auf, sondern eher als ihre ähnlich düstere Variation. Folgerichtig ist der Mensch in diesem inszenierten Universum nur noch bedeutungsloser Komparse, „a poor player; a tale, told by an idiot, full of sound and fury, signifying nothing.

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