Ungemein schwer erscheint es manchmal, das eigene Innenleben zu beschreiben. Unter diesen seelischen Entropien tun sich einige ganz besonders hervor in ihrer Unübersetzbarkeit: die Erfahrungen unserer Jugend.

Wie tief sind doch ihre Eindrücke, wie unauslöschlich die Bilder und  wie unerklärlich sind Kraft und Absolutheit, mit der sie sich unserer Erinnerung einbrennen  und unserem Erleben den emotionalen Anstrich verleihen. Offen für alles gleichen wir einem Gemälde in den ersten Pinselzügen, das später einmal nur noch in Nuancen verändert werden wird – oder ganz übermalt.

Von dieser Findungsphase, diesem verrückten Stakkato des Seins, aus dessen Überbleibsel sich fortan der Monolith unseres ganzen Selbst- und Weltverständnisses zusammensetzen wird, handelt auch Avir Nehers „Pa ‘am Haitty“, was übersetzt soviel heißt wie „Einst war ich“. Dieses einstige Ich gehört Arik, den es in nunmehr reifem Alter zurück in seinen Heimatort, die israelische Hafenstadt Haifa verschlägt. Die Bilder der vom Nahostkonflikt gebeutelten Stadt rufen in ihm Erinnerungen an unbeschwertere Zeiten hervor.  Zusammen reisen wir zurück ins Jahr 1968, in eine Zeit, die von Umdenken und Aufbruchsstimmung geprägt war, aber auch von der schmerzhaften und leidvollen Erinnerung an vergangene Schrecknisse.

Letztere wird verkörpert von der Figur des mysteriösen Yankele, einem Partnervermittler und Holocaust-Überlebenden, der es sich zum hehren Ziel gesetzt hat, die Menschen glücklich zu machen. Da man dem Glück hin und wieder auf die Sprünge helfen muss, beginnt Teenager Arik, begeisterter Konsument von Detektivgeschichten,  im Auftrag von Yankele Klienten auszuspionieren. Als gleichzeitig Ariks Cousine Tamara zu Besuch aus Amerika kommt und nicht nur alte Wertevorstellungen, sondern auch allerlei Köpfe verdreht, ist das Abenteuer angerichtet.

Nehers charmanter Coming-of-Age Film besticht vor  allem durch seine leichtfüßige Gratwanderung zwischen Komödie und Drama. Er nimmt seine Charaktere und ihre Probleme jederzeit ernst,  driftet dabei aber nie in Rührseligkeit ab und bewahrt sich Witz und sommerliche Leichtigkeit.