DIE STÄMME VON KÖLN - © Real Fiction

Der Kölner Karneval gehört zu den bekanntesten Volksfesten und ist von Köln so wenig wegzudenken wie das Kölsch. In der Dokumentation Die Stämme von Köln geht es jedoch nicht nur um Rheinischen Karneval, sondern um ein komplexes Durch- und Miteinander von historischen Wiederaufführungen, privatem Interesse, transkultureller Auseinandersetzung, sozialer Rituale und Schamanismus.

Ursprünglich im Jahre 1958 nur als Idee für Kostüm gedacht – Inspirationsquelle war der Spielfilm Attila, der Hunnenkönig – wurde aus der Faszination für die Hunnen eine Gemeinschaft in der heute etwa 80 Vereine aktiv sind. Innerhalb der Stämme hat sich ein fassettenreiches Rollenspiel entwickelt, das nicht bloße Freizeit und Unterhaltung ist, sondern in die Leben der Mitglieder Einzug gehalten hat. Denn nicht nur im Theater und Film geht es darum eine Rolle zu Spielen, das ganze Leben besteht – so der US-amerikanische Soziologe Erving Goffman – speist sich daraus. So wird aus toter Geschichte – 451 belagerte Attila, der berühmte und berüchtigte Hunnenkönig, Köln – lebendige Gegenwart.

Um so beeindruckender, dass es Anja Dreschke gelungen ist, die Einzigartigkeit dieser Nische einzufangen und die unterschiedlichen Sichtweisen und daraus resultierenden Unsicherheiten zu dokumentieren. Handelt es sich nun bei all dem um eine neue Form von Spiritismus oder doch nur Karneval mit historischen Kostümen? Wo fängt das Fremde an und wo hört das Eigene auf? Und wie viel Authentizität kann am Ende übrig bleiben? Diese Fragen beschäftigen nicht nur die Mitglieder der Stämme selbst, sondern bleiben auch den Zuschauer am Ende im Kopf. Denn wenn die Wirkmächtigkeit des Rollenspieles vom sozialen Umfeld bestimmt wird und die Ehen, die der Schamane schließt, feste Bünde sind, dann ist der Schamane aus Köln ein Schamane, wie sein Vorbild aus der Mongolei. Und manche Grenzen lösen sich langsam auf.

Die Stämme von Köln läuft einmalig am Dienstag den 22.05 in Kooperation mit der Uni Konstanz und mit Anwesenheit der Regisseurin und Ethnologin Anja Dreschke.