© Filmgalerie 451

Eine nächtliche Fahrt bei starkem Regen. Ein Mensch. Ein Mann, Alter, Namen und Herkunft unbekannt, sitzt auf einer Motorhaube, in der einen Hand eine Zigarette. Gespielt lässig. Wir kennen den Ort nicht, ein unbekanntes Land. Die Umstände sind uns ebenso fremd, wie die Motivation des jungen Herrn. Er ist der Protagonist, trotzdem scheint er kein Ziel vor Augen zu haben. Auch er kennt den Ort nicht, aber er wird ihn kennenlernen. Er muss. Ihm werden wir folgen. Der Mensch folgt dem Fluss. Der Fluss verfolgt ihn. Der Fluss war einst ein Mensch. Was folgt ist eine Irrfahrt auf dem Holzboot. Der Mensch treibt, lässt sich treiben, wird getrieben. Er ist der Getriebene. Meditativ und anmutig. Gefährlich. Scheinbar nimmt der Fluss kein Ende. … aber sieh, sogar das ist nur scheinbar.

Reduktion auf das Wesentliche. Der Film basiert auf der Zusammenarbeit eines Regisseurs, eines Schauspielers, eines Kameramannes und eines Toningenieurs, die ohne Drehbuch aufbrachen, um eine Geschichte zu erobern, erfolgreich. Minimalismus und Realismus gehören zu den Begriffen, mit denen man – je nach gewähltem Standpunkt – den neuen deutschen Film loben oder abstrafen kann; was kommt danach? Der Fluss war einst ein Mensch lebt aus seiner Entstehung, lässt sich sicherlich teilweise dadurch erklären, muss sich aber nicht darauf ausruhen. Verlust und Sinnsuche, das gibt es bereits. Und Afrika wurde spätestens mit Conrad als Herz der Finsternis entdeckt. Darüber zu sprechen – Mythos, Mensch gegen Natur, Verlorenheit, Erste und Dritte Welt, die Fremde, Konsumkritik, Auf- und Hingabe – reproduziert nur Bekanntes und allzu Bekanntes.

Hier kommen wir nicht weiter, wir stranden und wollten doch Wasser unter unserem Kiel haben. Es gibt eine Alternative: Sich treiben lassen und den Film genießen, mit offenen Augen.

Wir freuen uns darauf Der Fluss war einst ein Mensch in Kooperation mit dem Weitwinkel-Kino, dem Kommunalen Kino in Singen, zu zeigen.

Do, 13.12. 20:00 |Fr, 14.12. 21:30 | Sa, 15.12. 19:00 | Mo, 17.12. 19:00