Open Air: Cheyenne – This must be the place

Verfasst von Marie-Therese Gey | Reihe:
Open Air: Cheyenne – This must be the place

Es gibt eine Alternative zum in Würde und Alkoholismus gealterten Rockstar à la Ozzy Osbourne, der die Nachwehen seiner Karriere mit Frau und Hund (und Kamerateam) in einer dekadenten Villa aussitzt. Die Alternative heißt gealterter Post-Punk und im Fall von Paolo Sorrentinos neuem Streifen: Cheyenne. Optisch angelehnt an den bleichgeschminkten, schwarzzottlig toupierten Robert Smith, Sänger von The Cure, schlurft und kichert Cheyenne durch die endlosen Weiten seiner Luxus-Küche und später mit einem Trolley als stetigem Wegbegleiter durch die endlosen Weiten der US-amerikanischen Provinz.

Warum dieser Roadtrip, wo doch ein Squash-Spiel im trockengelegten Pool mit der werten Gattin (Francis McDormand) viel idyllischer und Cheyennes infantil-depressivem Wesen auch viel angemessener wäre? Eine ungesühnte Demütigung, die seinem Vater von einem deutschen NS-Soldaten widerfuhr, treibt Cheyenne aus seinem in Watte gepackten Dubliner Alltag nach New York, über Texas und Utah bis hinein in die höchstgelegenen Schneewüsten Amerikas, wo der Peiniger des Vaters gefunden und bestraft werden soll.

Sean Penn im Gothic-Outfit durch grandios eingefangene Landschaften stolpern zu sehen und dabei seinen mal mehr, mal weniger gelungenen Aphorismen zu lauschen, ist ein schräges Vergnügen. Ein restloses Vergnügen ist der Soundtrack zum Road-trip: Alle Kompositionen sind neugelegte Eier der New-Wave-Ikone David Byrne, der auch mit einem Gastauftritt im Film geadelt wird. Byrne’s Band The Talking Heads wussten und sangen es in den 80ern schon: „This must be the place!“ Paolo Sorrentino weiß es heute und zeigt es auf 35mm – We guess we’ll better be there!

Do, 05.07. 2012, Neuwerk Innenhof – Bei schlechtem Wetter in der Kantine, Beginn frühestens 21:30

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