Die junge Lena lebt in ärmlichen Verhältnissen bei ihrer alleinerziehenden Aborigine-Mutter. Sie läuft weg, will zu ihrem irischen Vater ins ferne Sydney. Vaughn, ein junger Aborigine reißt aus einem Straflager für Kleinkriminelle aus, um seine kranke Mutter noch einmal zu sehen.

Ihr Zusammentreffen auf einer Landstraße verläuft zunächst aggressiv. Die blonde hellhäutige Lena ist für Vaughn der Inbegriff der arroganten Weißen, die seinesgleichen diskriminieren. Vaughn verkörpert für Lena die Hälfte ihrer Abstammung, der sie entkommen will.

Dennoch setzen sie ihre Reise gemeinsam fort, zunächst notgedrungen, später als Schicksalsgefährten. Regisseur Ivan Sen, selbst ein Aborigine, fragt in Beneath Clouds sensibel nach Vererbung von Hautfarbe und Heimat, nach Identität und Entwurzelung. Wer schafft den Absprung, was lässt sich nicht abstreifen? Der Regisseur nimmt sich Zeit für einen weiteren Darsteller: das australische Land. Weiße tapsen durch die Natur; ein Berg, ein Feld, ein Weg, na und?

Lena und Vaughn fühlen anders, ob sie wollen oder nicht, und Ivan Sen zeigt uns das, in gewaltigen wundervollen Aufnahmen. Wie bei Sandbildern ordnet er in symbolgeladenen Totalen lange horizontale Linien an. Jeder Bereich, die Straße, das Feld, die Telegraphendrähte unterstreichen nur die Weiten des Himmels über den beiden Reisenden, der die wahre, die nicht erreichbare Freiheit verkörpert.

Aber nichts kommt kitschig, in diesem Road Movie. Die Protagonisten treffen auf rassistische Barbesitzer, schikanöse Polizisten, kriminelle Freunde. Es ist eine mühsame Reise und sie erlaubt eigentlich kaum einen Raum für Illusionen. Wieder einmal sind es junge unerfahrene Darsteller, die zurückgenommen, fast einsilbig agierend dennoch so mitreißende Einblicke in ihre Suche nach Identität geben.

Beneath Clouds gewann vier australische Filmpreise und auf der Berlinale 2002 den First Movie Award, Danielle Hall erhielt dort den New Talent Award.

Spieltermine: 03.&05.05. 20:00 || 06./07.05. 22:15