Atmen (Szenenfoto)Roman sitzt schon seit 4 Jahren in der Jugendstrafanstalt – wegen Totschlag. Jetzt ist er 19 und hat sich mit den Jahren an den Alltag im Gefängnis gewöhnt und angepasst. Hier fühlt er sich sicher.

Für eine vorzeitige Haftentlassung hat Roman jedoch schlechte Karten, denn er ist zu verschlossen, ein zu großer Einzelgänger und allgemein zu schwierig. Außerdem tut er sich schwer einen Job zu finden und diesen auch zu behalten – sein Bewährungshelfer ist mittlerweile entsprechend genervt. Doch dann klebt eine Stellenanzeige eines Bestattungsunternehmens an seiner Zelle. Roman fährt zum Vorstellungsgespräch und bekommt den Job. Ausgerechnet dieser Freigängerjob führt Roman über den Umweg Tod zurück ins Leben. Dort bekommt er nach und nach eine kleine Ahnung davon, was es wirklich heißt, das Leben mit Haut und Haaren zu genießen.

Bekannt durch seine Hauptrolle in dem Film Die Fälscher versucht sich Karl Markovics nun zum ersten Mal als Drehbuchautor und Regisseur. Dabei zeigt er mit seinem eher poetischen Minimalismus eine überraschende Stilsicherheit und viel Feingefühl. Auch der Realismus, der den Film von der ersten bis zur letzten Minute durchdringt, ist eine große Stärke des Films. So vollzieht sich die innerliche Befreiung von Roman nur langsam und führt bald zu einer schmerzhaften Konfrontation. Thomas Schubert gelingt es, jede Gefühlslage von Roman glaubhaft machen. Dabei kann man ihm seine zögerliche Wandlung von Passivität zu leichter Hoffnung in allen ihren Nuancen an seinem Gesicht ablesen.

Nominiert als österreichischer Kandidat für den „Auslands-Oscar“, hat Atmen bereits auf einigen Festivals abgeräumt, u.a. auf dem Festival von Cannes, wo er mit dem Prix Label Europa Cinemas ausgezeichnet wurde. David Rooney (Hollywood Reporter) schreibt treffend:

Atmen ist ein nüchternes und fesselndes Drama, das durch seine intelligente Zurückhaltung, kontrollierte Bildästhetik und seinen sachlichen Zugang hervorsticht und von einer erfrischenden dramaturgischen Vollkommenheit ist.“

Wir zeigen Atmen als den 55. Film in unserer Reihe Junger deutsch(sprachig)er Film in Zusammenarbeit mit dem Weitwinkel Kino in Singen.