Ein süßer australischer Tierfilm? Oh no, Mate! Die hier gezeigte Spezies ist der Mensch, genauer die Familie Cody. Und Ihr Way of Life ist das organisierte Verbrechen. Ihr Revier ist Melbourne, vielmehr die unter der pittoresk-behäbigen Oberfläche brodelnde, brutale Unterwelt. Ihre beengte Wohnung ist Festung und Gefängnis, einer Wolfshöhle gleich. Drei erwachsene Söhne, manische Soziopathen, hausen darin, gewalttätige Kriminelle von Beruf, behütet von „Smurf“, ihrer Großmutter. Jacky Weaver spielt diese doppelbödige Gestalt großartig, sie wurde völlig zu Recht für den Oscar nominiert.

In dieses Biotop gerät der 17-jährige Joshua, nachdem seine Mutter an einer Überdosis starb. Konfrontiert mit dem Überlebenskampf der Sippe gegen ihre Fressfeinde in Form von ebenso brutalen Polizeitrupps erfährt er, wie riskant und veraltet Bankraub ist. Börsenspekulation wäre die moderne Alternative, aber für diesen Dreh sind die Cody-Brüder schon zu kaputt.

Animal Kingdom kommt weitgehend ohne Blutorgien und Gun Battles aus, und doch kriecht im Lauf des Films eine bedrohliche Spannung heran, wird unaufhaltsam die untergründige Angst der Akteure verstärkt, bis zum mörderischen Jeder-Gegen-Jeden, auch innerhalb des Rudels.

David Michôd legt ein fulminantes Regiedebut hin, einen energiegeladenen und intelligenten Psychothriller, strotzend vor Ideen und getragen von großartigen Schauspielern bis in die Nebenrollen. So ähnlich lobte ihn unisono die internationale Kritik. Der Film räumte 2010 die Rekordzahl von 10 Australian Film Institute Awards ab und Jacki Weaver gewann neben ihrer Oscarnominierung zahlreiche Filmpreise und eine Golden-Globe-Nominierung. Animal Kingdom spielte weltweit über 7 Mio. Dollar ein. Nur in Deutschland kam er nie in die Kinos. Unbegreiflich, eigentlich eine Schande, findet das Zebra.

Der gute alte Gangsterfilm, der einem Schauer über den Rücken jagt, ist nicht ausgestorben. Er kommt jetzt aus Australien. Und man wünscht sich, es gäbe mehr davon.