Liebste Babička.. wie du da sitzt.. dieses Gesicht, so stolz, ehrwürdig und hübsch. Würd‘ ich doch gern diese Anmut, diese Reife wie ein Gebet aus dem Gesichte tragen. Ich hoffe, mir wird gerecht verhandelt.. die zauberhaften Schauspieler in der Stadt sind wunderbar, doch mein innigstes Verlangen will noch weiter.. ich sah mein eigen Blut an mir hinab, ich stehe an der Schwelle zu mehr. Ich weiß es. Wo ist die nächste Stufe hin zu dieser Schwelle, dieser Schritt heraus aus dem Schatten zu den Frauen, die ihre blütenweißen Nachthemden mit zierlichem Gekicher tauschen, und den kleinen Fisch in der entspannten Wärme späten Tageslichts heimlich auf der Brust tanzen lassen? Wo ist mein teurer Orlik? Diese Fratze, die mir begegnete, der Priester, dieses Etwas – unheimlich..
- Valeries Gedanken
Das junge Label Bildstörung aus Köln/Berlin versteht es, wirklich grandiose und trotzdem vergessene Perlen des Filmhorizonts zu sammeln und in liebevoll ausgearbeiteten Editionen neu aufzulegen. So dürfen wir uns freuen, mit Valerie a týden divů einen besonders magischen Vertreter der späten Neuen Welle des tschechoslowakischen Films im Kino zeigen zu konnen. Regisseur Jaromil Jireš bebilderte ein Ausnahmewerk des Schriftstellers Vítězslav Nezval im Randbereich zwischen Märchen-, Fantasy- und Horrorfilm, lädt ein zu sprungreichem Seiltanz zwischen betörend schön fotografierten Bildern und einer bizarren, ganz eigen versponnenen Geschichte um ein 13-jähriges Mädchen, das zur jungen Frau wird: eine umwerfende Jaroslava Schallerová als Valerie. Vielleicht wird man an Alejandro Jodorowskys genialen Surrealismus erinnert, vielleicht an die zarten Märchenfilme der ehemaligen Ostblockstaaten. Aber zudem will hier ganz von selbst erzählt werden: Jireš legt an zu einer herbsüßen, deutlichen Revanche zur doppelbödigen Moral von Kirche und Religion, junge Sexualität und Erotik in diesem Spannungsraum, und lässt eigene Hallen des Traums aus möglicher, verwischter Unwirklichkeit entstehen, die ihr Leuchten periskopisch im regen Flackern der Genregrenzen erhalt. Brillant und entfernt werden wir uns fühlen, sehen wir erst den Dreck an unseren eigenen Füßen, und bitterböse, zauberhafte Gefühle aus dem Lacheln der Menschen blitzen, die wir lieben und träumen.
Erstmalige PAL Wiederveröffentlichung: 25. August 2008

Wir zeigen den Film selbstredend im tschechischen Original, mit dt. Untertitel.
Spieltermine: 1. – 4. April 2011

