Dienstag nach Weihnachten – Zukunftsmusik. Dort ankommen wird der Zuschauer nie. Minute für Minute verrinnt und mit jeder weiteren lässt Regisseur Radu Muntean die Zuversicht weiter sterben.
Sie erweist sich im Kosmos des Films als ebenso illusionärer Horizont wie eben jenes Datum. Muntean schafft das Kunststück, allein durch den Titel Erwartungen zu schüren – ein rettendes Ufer liege in diesem Dienstag, glaubt man, das Antworten auf Fragen anbiete, die eigentlich keine Fragen sind. Sondern vielmehr ein bitterer, kleinbürgerlicherer Imperativ.
Dass es zu keinem versöhnlichen Ende kommen wird, scheint von der ersten Sekunde an schicksalshaft eingeschrieben. Der Fatalismus des Geschehens wird nicht etwa bestimmt von extremen Gefühlslagen und übersteigertem Idealismus, sondern entspringt der Apathie des Protagonisten. Seine Unentschlossenheit und Passivität steigern sich immer weiter und streben unaufhaltsam auf jenen Punkt zu, an welchem keine Abkehr mehr möglich ist. Hin- und hergerissen zwischen Verlustängsten, zwischen der tristen Statik des bourgeoisen Alltags und der betörenden Ungewissheit einer Affäre verweilt Paul in der Mittellage. Doch die Welt dreht sich weiter. Entscheidungen werden gefordert, auch dort, wo sie keiner ausspricht.
Raluca, seine Liebhaberin, verkraftet das Versteckspiel immer schlechter. Paul muss handeln, sonst verliert er sie vielleicht. Doch alles, was er sich aufgebaut hat, würde unter seinen Füßen zerfallen. Die Gewissensbisse gegenüber Frau und Kind nagen, zeigt sich seine innere Zerrissenheit ihnen gegenüber doch auch immer mehr in ablehnender Haltung und Gleichgültigkeit.
Mit nur ganz wenigen Einstellungen und spärlich-diegetischer Musik ist Muntean unglaublich nah an seinen Hauptfiguren. Dabei seziert er sie nicht bis ins Detail, sondern lässt dem Zuschauer gerade genügend Raum, sich ein eigenes Bild zu machen. Eine Stellungnahme ist dennoch nicht möglich: die Charaktere sind in ihren Handlungen und Beweggründen in so qualvoller Manier allesamt nachvollziehbar, und so fühlt man sich gleichfalls ein Stück weit hilflos.
Die Probleme des Bürgertums – so lächerlich sie bisweilen wirken mögen, so ist dieser Mikrokosmos mit seiner Realität sui generis doch ernst zu nehmen.

