Im kargen Hinterland von Missouri muss die 17-jährige Ree Dolly ihren im Drogenmilieu abgetauchten Vater finden. Auf dem Spiel steht das Haus und Grundstück der Familie, die Existenzgrundlage in dieser verarmten Berggegend. Wie viele andere in dieser verarmten, vergessenen Gegend in Missouri verdiente der Vater, Jessup, sein Geld mit der Produktion von Methamphetamin. Nach seinem letzten Aufenthalt im Gefängnis stellt Jessup sein Haus und Grundstück als Kaution und verschwindet.
Um diesen für die Familie essentiellen Lebensraum zu retten, muss Ree ihren Vater finden. Ihre Suche führt sie durch die Kreise ihrer Verwandtschaft, zugleich Großfamilie und Drogenkartell, die nach ihrem eigenen Gesetz lebt. Sowohl unangenehme Fragen, als auch die Herausforderung der klassisch-patriarchal geordneten Strukturen werden hier nicht gern gesehen.
Abseits von gängigen Hillbilly-Klischees zeigt Debra Granik einen isolierten Raum inmitten der USA, in dem sich ein Zyklus von Armut, Drogen und Gewalt festgesetzt hat. Unterstrichen wird die gefühlte Einsamkeit von langen Einstellungen, beispielsweise des farbarmen Hochlands oder der heruntergekommenen Häusern, die, wenn auch nicht durch Schönheit, doch in ihrer Rohheit faszinieren.
So überrascht es nicht, dass auch Protagonistin Ree nicht in die geläufigen Helden-Schubladen passt. Mit trotzigem Pragmatismus statt Heldenmut stemmt sie sich gegen die Widrigkeiten des Umlands. Neben rudimentärem Schulwissen bringt sie ihren kleinen Geschwistern auch Jagen und Kochen bei, kümmert sich um die katatonische Mutter und ringt ihrer Großfamilie mit stoischem Durchhaltevermögen Zugeständnisse ab. In einer preiswürdigen Darstellung zeigt Jennifer Lawrence eine Frau die mit 17 erwachsen ist, weil sie erwachsen sein muss, hart ist, weil sie hart sein muss. Und hier offenbart sich Hoffnungsschimmer und Krux zugleich: Dieses stolze Pflichtbewusstsein der Bewohner erhält sowohl das Leben in der widrigen Region, als auch die starren Hierarchien in den Traditionen und Werten des Bergvolks.
Spieltermin: Samstag, 20. August / Pfalzgarten
Das Zebra Kino zeigt Winter’s Bone im Pfalzgarten, in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Konstanz zum Jahresmotto „Raum“.