1957 steht in San Francisco ein amerikanisches Meisterwerk vor Gericht. Angeklagt ist „Howl“, das Gedicht von Allen Ginsberg (James Franco), das seinen Autor schlagartig bekannt gemacht hat. Gerade erschienen, wird die ohnehin kleine Auflage von der Polizei beschlagnahmt und der Verleger muss sich wegen Verbreitung obszönen Schrifttums vor Gericht verantworten.
Man könnte meinen, dass innerhalb der Popkultur den Vertretern der Beat Literatur und ihren Werken eigentlich schon gebührend Ehre erwiesen wurde. Dies vor allem aber im Bereich der Musik, wo die Liste der Referenzen groß ist. Die Beat Generation sollte grundsätzlich aber auch auf die Leinwand. Eine Alternative zur vorherrschenden musikalischen Rezeption und zu Goethe! muss also her.
Nun enden die Verfilmungen solcher Persönlichkeiten und deren historisch-biographischen Thematik oft in übertriebener Heroisierung. Schnell werden hier Menschen zu Inkarnationen, wenn auch nicht gleich eines Gottes, doch einer irgendwie anders beschaffenen höheren Macht. Vor allem im so beliebten Biopic Genre, um das es sich es auch bei diesem Film dreht und das sich in den letzten Jahren wieder mehr Beliebtheit (vgl. Ray, Walk the Line, etc.) erfreuen darf.
Doch zu den ersten Szenen aus Howl: James Franco als Allen Ginsberg schreitend, auf dem Weg in die geschichtsschreibende Six Gallery, wo er das Debüt von Howl vortragen wird. Cut. Franco im Interview, mit lediglich einem Tonbandgerät – so scheint es zumindest, weil man den Interviewpartner niemals zu Gesicht bekommt, er aber doch scheinbar mit Jemandem spricht. Danach gehen die Rauchschwaden seiner Zigarette über in eine der Passagen, in denen Francos Lesung des Gedichts durch halluzinatorisch-allegorische Animationen begleitet wird, wiederum im Kronleuchter des Gerichtsaals endend, indem die prüde USA einen Prozess gegen den Verleger von Howl and other poems führt. Und dann, nach kurzer Zeit, wechselt die Szene wieder zurück zum Interview oder zu einer erzählten Erfahrungen aus der Jugend Ginsbergs.
Häufige Orts- und Zeitsprünge also, in denen sowohl persönliche, als auch gesellschaftliche und politische Haltungen zum Ausdruck kommen. Bewahrt wird die Chronologie lediglich in der Gerichtsverhandlung. Es geht weniger um Ginsberg als Person, als um das Gedicht Howl und seine Auslegung vor Gericht. Selten werden deshalb einzelne Aspekte der Person Ginsbergs, wie zum Beispiel seine Homosexualität thematisiert. Und dass auch nur, weil sie im Gedicht wie im Film mit anderen, im gesellschaftlichen Außen verorteten Themen, relevant wird. Film und Dichtung gemeinsam gegen den Moloch…
Spieltermin: Donnerstag, 16. Juni, Neuwerk