Die einzig mögliche Erfüllung des amerikanischen Traums: be a public enemy.
Bonnie Parker und Clyde Barrow lernten sich 1930 in Oak Cliff bei Dallas kennen, verliebten sich und schlugen zusammen einen Weg ein, den viele in Zeiten radikal gewordener sozialer Armut träumten: mit der stilisierten Leichtigkeit des ergriffenen Moments, des Fingers am Abzug, beschaffen sie sich selbst die versperrte Freiheit und den Genuss der Konsumgesellschaft. Vier Jahre später endete der bereits zu ihrer Gegenwart mit nationaler Spannung verfolgte Raubzug durch den Südwesten der Vereinigten Staaten, nach 13 Morden und unzähligen Überfallen. Am 23. Mai 1934 hatte das immense Fahndungsaufgebot der Bundespolizei schließlich seinen gewaltsamen Erfolg: Bonnie und Clyde wurden am Steuer ihres Wagens in einem Hagel aller bis dato vergebens bemühter Kugeln getötet.
Bitteres Finale eines einerseits revolutionären Traums, andererseits der fatalistische Traum einer Liebe hin zum gemeinsamen gewaltsamen Tod. Beide Seiten bilden den auch in sich ambivalenten Anker des Mythos. Die Umsetzung von Regisseur Arthur Penn kommentiert allerdings ebenso deutlicher sozialkritisch, und betont so einen wesentlichen Aspekt der Geschichte abseits einseitiger Romantisierung: Die konstruierte Moral der Justiz, die ebenso nur auf Gewalt basiert und mit Gewalt spricht, kann hinweggefegt werden, wenn vielleicht auch nur auf der Flucht vor dem Ende durch tödliche Reaktion. Auf der Straße romantischer Legende zwischen Leben und Tod, den einzigen noch treu scheinenden Signalstätten der Wirklichkeit und deren Dekadenz: ein Spiegelbild, ein notwendiges Negativ und eine Spirale ins determinierte Leere.
Die Bedeutsamkeit und Inspiration bis hin zur Gegenwart schaffte Penns Film in Folge seines Sprungs nach vorne als ein wichtiger Vertreter und Begründer des „New Hollywood“ der 1960er – das konform verstaubte Hollywood mit neuen Konzepten, Ästhetiken und deren Umsetzung geschickt über den Haufen drehen, neu aus der attestierten Asche der Studios die längst überfällige Freiheit des Auteurs im amerikanischen Film verwirklichen, Platz schaffen für das Mysteriöse, Unerzählbare einer wahren Geschichte.
Spieltermin: Samstag, 23. Juli, Rheinstrandbad
Das Rheinstrandbad wird nicht bestuhlt. Bitte eigene Decken o.ä. mitbringen!
