Mein Glück

Die Ukraine ist das größte Land Europas und mit 78 Einwohnern pro km² relativ dünn besiedelt. Man denkt an karge, leblose Landschaften und raue Umgangsformen in den dazugehörigen Dörfern, steckengeblieben irgendwo kurz vor dem Fall der Sowjetunion. Dass es mit Kiew oder Odessa sowie den Karpaten auch glanzvolle und ansehnliche Orte in der Ukraine gibt, vergisst man leicht. Man wird auch während dieses Films nicht oft an sie denken.

Der Fernfahrer Georgy macht sich zu Beginn der Geschichte auf den Weg durch jene provinzielle Ukraine. Er strandet in einem Dorf, in dem die Zeit seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion tatsächlich stillgestanden zu sein scheint. Langsam, aber unaufhaltsam wird er in den Alltag jenes Ortes hineingezogen, erfährt die hier vorherrschenden Regeln der Gewalt und die rohe Direktheit der Dorfbewohner im Kampf um das Überleben im Elend am eigenen Leib – er wird misshandelt, gefoltert und in einen Teufelskreis geführt, der aus Georgy schließlich ein vergeltungswütiges Monster macht, das sich ebenso gewalttätig an seinen Peinigern rächt.

»Mein Glück» ist das Spielfilmdebüt des preisgekrönten Dokumentarfilmregisseurs Sergei Loznitsa, selbst Ukrainer, welcher sich in seinen bisherigen Werken bereits mit den ländlichen Gebieten der ehemaligen Sowjetunion auseinandergesetzt hat. Dementsprechend zeichnet der Film realistisch wirkende, aber auch klischeebehaftete Bilder der provinziellen Ukraine und ihrer Bewohner: roh, verschlossen und feindlich gegenüber Neuankömmlingen. Man vergisst schnell, dass die Geschichte in der Ukraine angesiedelt ist. So wirkt der Schauplatz exemplarisch für alle vom wirtschaftlichen Verfall betroffenen ehemaligen Sowjetstaaten und Loznitsa hat Erfolg, ein Elendsbild dieser Region zu erschaffen – er besinnt sich dabei auf seine Erfahrungen als Dokumentarfilmer, um aus Georgys Geschichte ein intensives Erlebnis zu machen.