Franz (Rainer Werner Fassbinder) verdient sein Geld als kleiner erbärmlicher Zuhälter im Münchner Rotlichtmilieu. Seine Geliebte Joanna (Hanna Schygulla) schickt er auf den Strich. Trotz Drohungen weigert sich Franz hartnäckig, für das Syndikat zu arbeiten. Dabei lernt er den Gangster Bruno (Ulli Lommel) kennen und mögen, mit allerdings trüben Aussichten: Bruno ist insgeheim ein Lockvogel des Syndikats.
Rainer Werner Fassbinder selbst sagte über Liebe ist kälter als der Tod:
»Dies ist ein Film gegen Gefühle, weil ich glaube, dass alle Gefühle missbrauchbar sind und auch tatsächlich missbraucht werden. […] Es sind Leute, die, um leben zu können, was ihnen lebenswert erscheint, sich halt in Rollen begeben, die eigentlich nicht die ihren sind. Das ist natürlich etwas Trauriges oder auch etwas Schönes.«
In der Tat changiert der Film in der zwiespältigen Kälte seiner zwischenmenschlichen Gefühlsspannungen: Einerseits helle klinische Bilder, ein Handeln im Gestrick sozialer Verwicklungen und kahler Räume, andererseits die aus wunden Lungen keuchenden Wünsche und (Vor)Eingenommenheiten des Zweifelns. Milde Sehnsucht nach einem Zustand, einem Gefühl, das es scheinbar nicht geben will: Gewissheit in der Konfrontation mit Gefühlen.
Dass Rainer Werner Fassbinder seinen Debütfilm als kleine Hommage an das amerikanische Gangsterkino der 1920er bis 1940er Jahre sowie der sich damit auseinander setzenden französischen Nouvelle Vague der 1960er Jahre gestaltete, erzählt sich »geradlinig« nur in formalästhetischen Perspektiven und Zitaten wie auch in darin eigenen Varianten, Variablen und Verstößen.
Alles weitere setzt zudem vielschichtig wie auch misstrauisch eindeutig die Richtschnur auf ein »Dahinter« und auf ein davor gesetztes »Ende« dieses Genres: Die inhaltlichen Schilderungen und Problematiken des Gangsterfilms als ein Untergenre des Kriminalfilms mit und um seine beschriebenen Figuren, das kriminelle Milieu und die Entwicklung des sozialen Status quo wirken bei Fassbinder ausgezehrt und auf eine dünne, äußerst scharfschneidige Linie komprimiert. Franz, Bruno und Joanna schwanken und scheitern im Feld des Genre-gezimmerten Determinismus, und der Film (er)löst sich nur in selektiver Nichteinhaltung der Versprechen an das Genre.
Wir freuen uns, zur Premiere am Donnerstag, den 20. Januar um 20 Uhr Herrn Dr. des. Özkan Ezli zu einer kurzen Einführung über Rainer Werner Fassbinder begrüßen zu dürfen! Herr Ezli ist u.a. Dozent des gegenwärtig stattfindenden Seminars »Deutsche Gesellschaftsgeschichte aus der Peripherie: Minderheiten in R. W. Fassbinders Filmen der 1960er und 1970er Jahre« an der Universität Konstanz.
