Kino-Exhibitionismus – Expliciting the Core

Leben und Tod einer Pornobande (Mladen Dordevic, Serbien 2009) bildete den Auftakt zum ausstellenden Film, zur filmischen Heraushebung oder zur expliziten Darstellung seines Themas. Das Film-im-Film Experiment gab eine ungewöhnlich drastische Antwort auf ‚Eastploitation‘ oder die westliche Projektion von dem, was im zerfallenen Ostblock und im kriegsbeschädigten Ex-Jugoslawien alles möglich sei. Als Film-im-Film wurde dabei die Transgression, die filmische Überbietung im Kontext von Filmkunst und obsession/Perversion bis zum Auteur als erstem ‚Snuff-Filmkünstler‘, behandelt. War Exhibitionismus hier sowohl im erotischen Sinn Thema, ging es noch mehr um den ‚Ausstellungscharakter‘ der gezeigten Filmdrehs, die sich als Metaebenen zu Gewalt und Sexualität unweigerlich hochgeschaukelt haben.

Die beiden folgenden Filme des Schwerpunkts erhöhen ihren filmischen Ausstellungswert, indem sie Figuren aus ihren Rollen und damit aus dem zugrundeliegenden Handlungsverlauf heraustreten lassen und ihnen gewissermassen eine (Vaudeville-)Bühne zur Verfügung stellen. Ein solches Vorgehen ist im Fall von Bronson (Nicolas Winding Refn, GB 2009) eher ungewöhnlich, da es sich um die wahre Geschichte von Michael Peterson, genannt Chalie Bronson, Englands gewalttätigstem Hochsicherheitshäftling, handelt. Aus dem Biopic wird eine Bio-Fiction (auf der Grundlage von Stanley Kubricks A Clockwork orange) mit dem Effekt, dass Refn an eine überraschend komplexe Persönlichkeit noch näher herankommt.

Im Pink Musical Underwater Love (Shinji Imaoka, Japan 2011) ist der Ausstellungswert des Films schon Genre-bedingt. Wenn es dafür eine Definition gäbe, müsste sie mit B. Göring (von Stereo Total, die mit ihren Klampf- und Synthie-ohrschmeicheleien den Soundtrack beigesteuert haben) lauten: „Fünf Drehtage, alle 10 Minuten eine Sexszene.“ Was hier nach Bahnhofskino-Standard klingt, gilt in Japan Regisseuren und Filmkünstlern als beliebtes Experimentierfeld, in dem die wohl größtmögliche künstlerische Freiheit liegt. So prallen in diesem Genre gerne Trash und Avantgarde aufeinander. Hier wäre das die Kunst von Kameramann Christopher Doyle (Chungking Express, Paranoid Park) und eine absolut grenzdebile Tanz- und Musical-Choreographie. Dem quietschbunten Avantgarde-Softporno inklusive Gedächtnisverlust, der auf jede Tanz- und Gesangseinlage folgt, und dem trashig gestyltem Mythenwesen, das von einer lasziven Fabrikarbeiterin entjungfert wird, dürfte im cineastischen Kuriositätenkabinett ein Ehrenplatz reserviert sein.

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