I Saw The Devil

Warum Kyung-chul nicht schon längst überführt wurde, leuchtet dem Schulbusfahrer, Vergewaltiger und Serienmörder kaum ein, denn besonderen Wert auf seine Sicherheit legt der Triebtäter bei seinen brutalen Streifzügen längst nicht mehr.


An einem verschneiten Abend tötet er Ju-yeon, die Tochter des Polizeichefs Jang auf bestialische Weise. Ihr Verlobter, Special Agent Soo-hyun, schwört gnadenlose Rache. Nach langen Nächten im Archiv und endlosen Verhören mit Tatverdächtigen stehen sich die beiden Männer gegenüber und stürzen sich in einen erbitterten Kampf um Leben und Tod. Doch als Soo-hyun die Oberhand gewinnt, sieht er davon ab, das Scheusal hinzurichten. Stattdessen pflanzt er seiner besinnungslos geprügelten Beute ein Gerät ein, das ihm stets den Standort des Killers verrät – und lässt ihn entkommen; nur um ihn darauf zu Tode zu jagen, ihn immer wieder in derben Prügelarien unglaubliche Schmerzen zuzufügen und wieder laufen zu lassen. Bei seiner Mission verkennt Soo-hyun jedoch die Stärke seines Gegenübers und hat in seiner ohnmächtigen Raserei kaum mehr mitbekommen, wie der Teufel bereits in seine eigene Haut gekrochen ist…

Mit seinem Horror-Märchen A Tale of two Sisters, seiner Mafia-Ballade Bittersweet Life und seinem postmodernen Western-Abenteuer The Good, the Bad and the Weird, hat sich der südkoreanische Regisseur Kim Jee-woon längst einen exzellenten Namen gemacht. Nun schickt er sich an, den Serienkillerfilm bzw. das Rachedrama zu revolutionieren.

I saw the Devil ist einer der packendsten und intensivsten Filme, die seit langem zu bestaunen waren. Ein grandios inszeniertes, spannendes Meisterwerk eines Grenzen sprengenden Auteurs, der den überwiegenden Teil aller Hollywood-Produktionen als bieder-routinierte Taschenspielertricks bloßstellt.
Im Gegensatz zum amerikanischen Genre-Klassiker Sieben von David Fincher setzt Kim Ji-woon von der ersten Minute an auf rasantes Tempo und pulsierende Action. Der Kopf im Karton taucht hier gleich zu Beginn auf – als Hommage und Abgrenzung. Kims Rache-Opus ist ein cineastischer Hochgenuss, der seine unglaubliche Sogwirkung unter anderem auch Choi Min-sik (Oldboy), der als eiskalte Bestie in Menschengestalt eine großartige darstellerische Leistung ablegt, zu verdanken hat.