Manche Regisseure brillieren im Alter und andere verwundern schon früh, sehr früh. Xavier Dolan war nämlich erst 19 Jahre alt, als er mit I killed my mother – J‘ai tue ma mere die Kritiker und Juroren beeindruckte.
Und das Drehbuch für diesen, seinen ersten Film hatte er mit 17 Jahren geschrieben. Das Alter merkt man der mise-en-scene jedenfalls nicht an, mit gekonnter Hand und einem feinen Gespür fur Bilder, Formen und Farben setzt der junge Delon sein Stück um. Hochstens die Thematik erinnert uns dann doch an unsere Rebellions- und Pubertätszeit von vor einigen Jahren. Der Protagonist Hubert, ebenfalls 17 Jahre und gespielt von Delon selbst, versteht sich nicht mit seiner Mutter. Immer nervt sie, immer nörgelt sie, er kann es ihr eben nicht recht machen. Verständlich also, denn wer hat sich damals nicht missverstanden gefuhlt, vor allem von seinen Eltern?
Hubert dagegen entwickelt aus seiner Abneigung gegenuber der Vorliebe seiner Mutter fur Kitschdeko und Solariumbraune eine Abscheu und aus seiner Abscheu schlieslich Hass. Und dennoch liebt er sie, denn Mütter sind eben doch Mütter. Aber es ist kompliziert.
Erschwerend kommt die Ausgrenzung hinzu, die er von seinen Schulkameraden erfahrt. Und die erste Liebe, die (Homo-)Sexualität und wieder – seine Mutter. Das scheinbar semi-biografische Mutter-Sohn-Drama kommt leichten Fuses daher, ohne Klischees oder typische Coming-of-Age-Floskeln (womoglich macht sich hier doch das Alter des Regisseurs bemerkbar).
I killed my mother ist besonderes Beziehungskino: Schon, schwierig, mitreisend, zum Lachen und zum Weinen. Aber vor allem niemals so banal wie der Titel vermuten lassen konnte, sondern subtil und inszeniert a sa facon, so dass sich ein Gedanke aufdrangt: Xavier Delon konnte das nachste Wunderkind, pardon, junge Regietalent sein, von dem die Welt in Zukunft noch mehr in unseren Kinos sehen wird. Wir sind gespannt!
