Essential Killing – ein Name, der hält, was er verspricht. Minimalistisch, heruntergebrochen auf eine farblose, wortlose und ortlose Szenerie. Trist und hart, Wälder und eine schier endlose Wüste aus Eis, dazwischen ein blutender, bärtiger Mann, möglicherweise Terrorist, möglicherweise unschuldig, so oder so ohne Ziel und Hoffnung.

Das seltsame Gefühl, als sei das alles nicht mehr wichtig. Eine geschickte Collage aus verschiedenen Bildern, die so wirken, als wären sie direkt aus den medialen Berichterstattungen der letzten Jahre herausgesickert. Essenziell ist der Film also ohne Frage, sogar bis hin zum existenziellen, auch wenn über weite Strecken vielmehr das Sterben, als das Töten im Vordergrund steht.

Ähnlich wie bei dem kurz zuvor fertig gestellten Walhalla Rising, lastet die Bürde dieses ästhetischen Soges zum größten Teil auf der außergewöhnlichen Verkörperung des Protagonisten, in diesem Falle also auf den Schultern von Vincent Gallo. Gallo schafft es wie im Wahn, dem Film so neben der explizit politischen auch eine persönliche Fassette zu verleihen, auch ohne Dialog. So erinnert Essential Killing in seinen besten Momenten an eine eisige Version von Jim Jarmuschs Dead Man: Alles Leben ist Leben hin zum Tod. Auch wenn der Kontrast von verlorenem Mensch und menschenfeindlicher Landschaft schon oft inszeniert wurde, so eindrücklich wie bei diesem Film ist das selten geschehen.

So überrascht es auch nicht, dass es Essential Killing schaffte, zum ersten Mal in der langen Geschichte der Internationalen Filmfestspiele von Venedig bei der 67sten Ausgabe des Festivals gleich zwei Preise auf sich zu vereinen: Spezialpreis der Jury und Preis für den besten Darsteller. Maßgeblich für diesen Doppelerfolg war die dominante Meinung von Quentin Tarantino, welcher den Festivalleiter Marco Müller dazu überredete, mit dieser traditionellen Regel zu brechen. Eine Entscheidung, die auch für Kritik sorgte – ob Essential Killing seinen Lorbeeren gerecht wurde, kann man am Ende nur selbst prüfen, ein lohnendes Unterfangen ist es in jedem Falle, trotz aller Gnadenlosigkeit.