Digitale Projektion im Zebra: Was das für unser Programm bedeutet

Wenn von der Digitalisierung des Kinos zu lesen ist, heißt es meist wie folgt: „Im Jahr 2009 haben 1500 Kinos auf Digitalprojektion umgestellt.“ Von Umstellung kann und soll bei uns jedoch keine Rede sein. Wir ersetzen nicht den mechanischen Projektor durch einen digitalen. Wir werden das Projektions-Medium wählen, das sich für den jeweiligen Film am besten eignet.

Ist also ein Film komplett analog gedreht, gibt es keinen Grund, ihn nicht auf 35mm abzuspielen. Ist ein Film von vornherein digital gefilmt, gibt es keinen Grund, ihn nicht digital abzuspielen. Für den Bereich analog gefilmt – digital postproduziert wird die Entscheidung eine Ermessensangelegenheit des Programmausschusses bleiben.

Das Zebra-Kino will alle Filme in der authentischsten Form in bestmöglicher Qualität abspielen können – vom Stummfilm bis hin zum digitalen Experiment. Der hier beschriebene Anspruch ist in der Kino-Wirklichkeit schwerer einzulösen als man denkt. Wollte man beschreiben, warum das so ist, bräuchte man viel Papier. Hier soll nur der wichtigste Aspekt kurz umrissen werden, nämlich die Verleihsituation von Filmen bzw. die Erhältlichkeit von Filmen für den Abspielbetrieb des Kinos:

  1. Laufen bei den Filmverleihern Aufführungsrechte aus, werden sie nur selten erneuert. Auf das Kino bezogen heißt das, dass Klassiker und moderne Klassiker auf 35mm-Film immer schwerer erhältlich sind. Im Klartext: Die Filmverleiher ziehen sich aus der Arbeit am kulturellen Gedächtnis zunehmend zurück (rühmliche Ausnahmen: NEUE VISIONEN, ARSENAL FILMINSTITUT, DIF, REM und wenige andere).
  2. Brandneue, subversive Filme, die auf Festivals in aller Munde sind – vielleicht weil sie das Publikum spalten, vielleicht weil sie ästhetisch zu tollkühn geraten sind oder weil sie zu heikle Themen mit zu intensiver Wucht erzählen – haben es unter dem Einspiel-Diktat des kommerziellen Kinos schwer, überhaupt einen Verleih zu bekommen.

Seit geraumer Zeit werden beide Aufgaben von Labels übernommen, die sich auf die Verbreitung wichtiger aktueller oder älterer Filme auf BluRay oder DVD spezialisiert haben (vorne weg CAMERA OBSCURA, BILDSTÖRUNG, STÖRKANAL, ARTHOUSE COLLECTION u.a.). Nicht immer haben die genannten Labels auch die Verleihrechte für die Aufführung von Filmen, aber manchmal eben schon. Und genau dann, wenn das der Fall ist, sind wir da und bringen dank digitaler Projektion das nicht nur aktuelle, sondern auch zukunftweisende oder aber auch das fast vergessene, aber visionäre Kino älterer Tage auf die Leinwand.

Zu guter Letzt ist mit der Anschaffung eines digitalen Projektors immer auch die Frage nach der Zukunft des Kinos verknüpft. Hat das Kino Zukunft? Die Statistik (laut dem SPIEGEL) besagt, dass immer weniger Menschen ins Kino gehen, nicht aber weniger Menschen Filme sehen. Traurig müssen wir hier zustimmen, aber voller Überzeugung halten wir dagegen: das Kino braucht mehr gute Filme und Menschen brauchen gute Filme im Kino, und dafür sind wir da, als Kino Ihres Vertrauens.

Wir möchten am 15. September zur Eröffnung unserer Spielsaison ganz offiziell unseren neuen, digitalen Projektor einweihen. Dieser kommt zwar seit dem que(e)rgestreift-Festival im Februar regelmäßig zum Einsatz, doch hatten wir noch keine Gelegenheit, den Ausbau unserer Kinotechnik hin zu digitalen Medien vorzustellen. Das wollen wir jetzt nachholen. Reden Sie mit uns, diskutieren Sie mit uns über die Schönheit des Mediums Film, mechanisch-analog oder technotized, nachhaltiges Kino mit Zukunft oder Haifischbecken und Kulturindustrie. Wir stehen zur Verfügung!