Elfriede Jelinek, »Nobelpreis-Erträgerin«, hat eine Geschichte geschrieben, die, wenn man sie verfilmt, alles sein kann: psychologischer Realismus, amour fou, Melodram oder ein grausig- komisches Märchen. »Gefühle sind immer lächerlich, besonders aber, wenn Unbefugte sie in die Finger kriegen.

Erika durchmißt den stinkenden Raum, ein seltener Stelzvogel im Zoo der geheimeren Bedürfnisse.« Für den Film muss zunächst die literarische Sprache getilgt werden. Dabei verschwindet alles Komische und obwohl Michael Haneke niemals den Respekt vor dem Text verliert, ist das Werk mehr ein Haneke-Film als eine Jelinek-Verfilmung. In einem Haneke Film hat man immer das Gefühl, man sei irgendwo, wo man eigentlich nicht sein sollte – bis man nicht mehr hinsehen will, aber nicht mehr wegschauen kann.

Die Klavierlehrerin Erika lebt zusammen mit ihrer Mutter. Die beiden hassen sich, können jedoch nicht ohne den Schmerz sein, den sie einander zufügen. Die Mutter hatte Großes vor mit der begabten Tochter, doch sie erdrückt sie, sie lässt sie nicht zum Leben kommen. Im Streit um ein Kleid reißt Erika der Mutter ein Büschel Haare aus. All ihren Schülern begegnet sie mit demütigendem Zynismus, sogar Schmerz und Hass. Andererseits ist die Musik ihr Wichtigstes. Von ihr wird sie getrieben, vollkommen bestimmt, doch sie liebt sie nicht, die Musik. Man bezweifelt ohnehin ihre Fähigkeit zu positiven Gefühlen. Dann verliebt sie sich in Walter, einen ihrer Schüler. Mit ihm, denkt sie, kann sie die Gewalt, die sie braucht, um die Grenze zu einem Leben in »Normalität« zu überschreiten, kontrollieren. Walter verkörpert eine Hoffnung, auf die sie so lange gewartet haben will. Nur: Walter steigt aus dem Spiel aus. Gewalt aber zieht Gewalt nach sich und die neue Gewalt – so will es das Spiel – überbietet die vorherige.

Das Zebra-Kino begleitet mit Die Klavierspielerin Federico Garcia Lorcas Drama Bernarda Albas Haus, das am 21. Januar im Stadttheater Konstanz Premiere hatte.