Wenn ein Film »Die Farbe« heißt, aber bewusst in schwarz/weiß gedreht wurde, kann sich der Zuschauer über eines gewiss sein: Es geht hier um Phänomene, die sich dem Sichtbaren entziehen, die jenseits all dessen liegen, was wir mit unseren Sinnen erfassen können.

Genau diese Stimmung einer ungreifbaren, unterschwelligen und unverortbaren Bedrohung beschwört H. P. Lovecraft in seinen Schauergeschichten – neben E. A. Poe einer der Gründungsväter des modernen Horrors. Und von genau dieser Atmosphäre lebt auch die Lovecraft-Verfilmung „Die Farbe“: Nach dem Absturz eines Meteoriten nahe einer abgelegenen Bauernsiedlung im hintersten Winkel der deutschen Provinz nimmt das Leben auf den ländlichen Höfen eine seltsame Wandlung. Zunächst spielt die Natur verrückt, die Jahreszeiten werden extremer und die Blumen erstrahlen in einer nie gesehenen Farbe.

Doch dann beginnen allmählich auch die Menschen, sich zunehmend seltsamer zu verhalten. Es ist, also würde sich ein merkwürdiger Farbton über alles legen: Die Häuser, Bäume, Menschen sehen zwar aus wie immer, und doch ist jedermann klar, dass sich irgendetwas unwiderruflich verändert hat – und dies ist erst der Anfang…

„Die Farbe“ benötigt keine Actionszenen, keine Splattereffekte und keine Gummimonster, um seine Zuschauer das Grausen zu lehren. Im Gegenteil: Der Mystery-Thriller ist im Grunde ein sehr ruhiger Film, der sich Zeit lässt, um die Anspannung unaufhörlich anschwillen zu lassen. Die Stärke des Filmes liegt darin, die Bedrohung nur ganz unterschwellig im Raum stehen zu lassen – wie ein Missklang, der die Symphonie trübt – und den Zuschauer mehr ahnen als sehen zu lassen: Haneke lässt grüßen.

Ungewöhnlich sind vor allem die Umstände, unter denen der Film entstand: Denn hinter den Filmemachern stehen keine Filmstudios und keine Filmförderungen. Stattdessen ist „Die Farbe“ ein ebenso ambitioniertes wie professionell umgesetztes Fanprojekt von Lovecraft-Liebhabern aus der Rollenspiel-Szene, die den Film selbst finanzierten und in Eigenregie drehten. Das Ergebnis überschreitet jedoch alles, was man unter dem Begriff eines »Fanprojektes« verstehen könnte: ein über 90-minütiges Machwerk mit gewiefter Kamera- und Ton-Ästhetik, professionellen Schauspielern und aufwändiger Postproduktion. Einen so gutaussehenden und professionellen No-Budget-Spielfilm hat man selten gesehen – „Die Farbe“ beweist, was mit den neuen, günstigen HD-Kameras und viel filmischem Enthusiasmus möglich wird.

Das Zebra-Kino freut sich darauf, Regisseur Huân Vu und Produktionsleiter Peter Tillisch zur Vorstellung begrüßen zu dürfen.

Spieltermin: Dienstag, 25. Januar 2011, 20.00 Uhr