Am 5. Mai feiern das ZEBRA Kino und die kantine KN ein Film-Spektakel der besonderen Art. Unter dem Motto »Stummfilm macht Ton lebendig « zeigen wir den deutschen Stummfilmklassiker Der Golem, wie er in die Welt kam von Paul Wegener in der kantine KN aus dem Jahr 1920. Die Musikbegleitung für den Abend übernehmen die Jungs von Krautfass 3000, die wohl einigen kantine-Gängern ein Begriff sind.

Einer Sage zufolge war es der Rabbi Löw, der im 16. Jahrhundert einer Lehmfigur auf magische Weise Leben einhauchte, damit dieser seinem Volk, den Prager Juden, diene und sie beschütze. Doch die mit übermenschlichen Kräften ausgestattete Kreatur schüttelte die Gewalt ihres Schöpfers ab wie eine lästige Fliege, machte sich eigenständig und zog eine Schneise der Verwüstung nach sich.

Der Golem – er ist Mythos, Allmachtsfantasie und zugleich Symbol menschlicher Unzulänglichkeit. Der Fatalismus des künstlichen Geschöpfes, wie er Jahrhunderte später in Werken wie »Frankenstein« oder »Blade Runner« zeitgemäß weitergedacht wird, findet hier schon früh Ausdruck. Regisseur und Golem-Darsteller Paul Wegener zementiert der alten Sage hier ein filmisches Denkmal, ganz im Stile des Deutschen Expressionismus der zwanziger Jahre: extravagante Kulissen, detailreich-verspielte Ausstattung und in gewohnter Manier überchargierende Mimen verleihen dem Stummfilmklassiker sein außergewöhnliches Ambiente.

Wegener schneidet mit seinem Fantasy-Werk aber auch ganz weltliche Themen an: denn im Eigentlichen ist es nicht die abtrünnige Kreatur, die im Mittelpunkt steht und für Verderben sorgt – es sind menschliche Eitelkeiten und die Erscheinung, dass jede Macht zum Missbrauch reicht. So ist das Ende, so abrupt wie unspektakulär, auch ein Plädoyer für die Stärke der Unschuld und den Wert des natürlichen Lebens.

Abseits der Bedeutungsebene wird dem Zuschauer aber letztlich auch einfach eine schöne Geschichte liebevoll und mit viel Charme erzählt. Jeder, der Stummfilmen auch nur ein bisschen etwas abgewinnen kann, wird seine Freude haben an den kräftigen Bildern, den charismatischen Figuren und der – für damalige Zeiten – sehr mühe- und effektvollen Inszenierung.

Einlass: 20 Uhr, Beginn: 20.30 Uhr, kantine KN.
Danach lockerer Umtrunk mit Musik aus dem digitalen Fundus Krautfassscher Plattenkoffer.

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