Es gibt ihn wirklich. Im Film über ihn sagt er, er wollte immer berühmt werden. Er könne nicht singen, nicht schauspielern. Dann zeigt er, was er kann wie kein anderer: In einem Gitterkäfig verdrischt er mehrere Gefängniswärter. Michael Peterson (grandios: Tom Hardy), später mit dem Kämpfernamen Charles Bronson geadelt, hat seine Berufung gefunden: Knast-Superstar.

Bronson (Szenenfoto)

Michael Peterson ist 22 Jahre alt, als er mit einer abgesägten Schrotflinte ein Postamt in Little Sutton überfällt. Für die Beute von 27 Pfund bekommt er sieben Jahre Zuchthaus. Aufgrund seines aggressiven Verhaltens innerhalb der Gefängnismauern – Wärter verdreschen oder entführen, Anstiftung zum Gefängnisaufstand – wird sein Strafmaß ständig erweitert. Von den folgenden 35 Jahren Zuchthaus verbringt er 30 in Isolationshaft. Erst hier vollendet sich Petersons kompromisslose Persönlichkeit. Hier wird er eine lebende Legende, der gewalttätigste und teuerste Hochsicherheitshäftling Großbritanniens, bis heute.

Regisseur Nicolas Winding Refn begibt sich mit seinem Film auf ein gefährliches Terrain. Wäre aus dem Film ein Gefängnisfilm geworden, hätte das Bronson entweder zum Helden stilisiert, der ein ratloses Strafvollzugssystem lächerlich macht, oder zum notorischen Gewalttäter abstempelt. Völlig absurd wäre ein Star- oder Künstlerbiopic. So ist der Film alles in gleichen Teilen. Zusätzlich hing die Veröffentlichung des Films von Petersons Zustimmung ab.

Refns Kunstgriff ist, dass er die Selbst-Inszenierung der Hauptfigur inszeniert. Bronson tritt ständig aus der faktischen (oder realen) Ebene des Films heraus. Dann befindet er sich auf einer Theaterbühne vor großem Publikum, wo er – völlig unberechenbar – die Zuschauer verführt oder einschüchtert, egal wie, jedenfalls auf seine Seite bringt. Je öfter der Theater-Bronson auftritt, desto opernhafter, überhöhter inszeniert Refn die kommentierten Geschehnisse, bis es schließlich zwischen real und surreal keinen Unterschied mehr gibt. Biopic wird zur Bio-Fiction, Bronson wird (sogar visuell) zur Kunstfigur, Gewalt wird Kunst und Bronson, der sie vollkommen erhaben beherrscht, wird zum Superstar – in seiner isolierten Seelenwelt.

Spieltermine
Fr, 4.11. 21.15Sa, 5.11. & Mo 7.11. 19:00
So, 6.11. 20:00