Im Block passen die Hoods aufeinander auf. Ob man dies als marxistisches Klassenbewusstsein oder den Beginn einer organisiert-kriminellen Karriere sehen will, bleibt in Attack the Block zum Glück dem Zuschauer überlassen. So ziehen auch Moses und seine Gang miteinander um die Häuser und überfallen zunächst die Krankenschwester Sam, die alleine auf dem Heimweg zum Block ist. Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, zumindest bis sich ein Haufen mies gelaunter „big alien-gorilla-wolf motherfuckers“ in der Nachbarschaft breit macht. Nach anfänglicher Kampflust wird die Situation an allen Fronten komplexer und ernster: Hi-Hatz, der ansässige Boss des Drogenhandels, will seine Herrschaft gegenüber den Kids halten, die Aliens wollen in den Block, und Sam wird wieder mit in die Affäre gezogen, als die kleine Gang Schutz in ihrem Apartment sucht.

Das Zusammentreffen der moralischen Krankenschwester mit den unterprivilegierten Ghetto-Teenies liefert einen großen Teil des sozialpolitischen Subtexts, neben der (weit aus dem Fenster gelehnt gesagt) allegorischen Handlung um die inner city Problemzonen, welche unter ständigem Angriff und wenig hilfreicher Polizeiwillkür auf sich selbst gestellt sind – und dementsprechend schnell bei Antagonismus und Gewalt ankommen. Oder um die westliche Doppelmoral sozusagen direkt an den Eiern zu packen: Auf die Lobeshymne über Sams Partner (er ist in Ghana und hilft Kindern) folgt zwangsläufig die Reaktion: „Why can’t he help kids in Britain?“

Im Spiel dieser Ambivalenzen verliert Regisseur JOE CORNISH nicht den Blick für’s Wesentliche: den Spaß, der bei Schirmherren wie EDGAR WRIGHT und NICK FROST sowieso schon fest auf der Erwartungsliste steht. Wie auch schon Shaun of the Dead und Hot Fuzz ist Attack the Block zum größten Teil eine gelungene Genreparodie. Das Konzept der Komödie auf der einen und beinharte (und teils atemlos spannende) Action auf der anderen Seite hat CORNISH, wenn auch nicht selbst erfunden, so doch wenigstens annähernd perfekt von den Meistern gelernt; Attack the Block kommt so mühelos-flüssig daher, dass ein Schreiben über Genres und Subtext notwendigerweise dem rasanten Sehspaß kaum nahe kommen kann.

Wir zeigen Attack The Block vom 2.-12. Dezember als Originalfassung ohne Untertitel.