Regisseur Jerzy: der Versuch, seinen Film Passion zu inszenieren; ein Filmset in Frankreich. Daneben, darunter, darüber hinweg: ein Bündel an Personen, Besetzungen, Schwenkarbeiten. Überraschende Pointen von Schwierigkeiten. Phasenweise Einblicke in seinen Dreh; Kamerafahrten, das komponierte Filmbild. Es sollen die Gemälde zahlreicher Altmeister der Kunstgeschichte belebt werden. Jerzy ist auf der Suche nach der richtigen Beleuchtung, nach den richtigen Darsteller(innen).
Wir sprechen hier Jean-Luc Godards Passion an, seinen Film im Film, seine Reflexion über eine Collage des Films, und das Gewebe der Bildlichkeit. Das Bild in Bildern, als Geflecht oder lose. Jerzy selbst verhüllt sich wie Godard und sein Film, werden verhüllt, ohne dass sie eine Person wären. Doch der Schleier des ersten Blicks ist nur von kurzer Dauer. Er erschafft Entwürfe einer filmischen Komposition, begegnet den Schwierigkeiten einer Umsetzung, lässt den Entwicklungen um ihn herum seinen Lauf, sieht zu, nimmt teil, verschwimmt im collagierten Trubel der sozialen Bewegung; Unschärfe, Ereignisse, Sprache, Ton, Schärfe. Oder vielleicht eine eigene, persönliche Abfolge. Er fragt gereizt nach dem unbedingten Sinn einer Handlung; er erkennt die Leidenschaft des filmischen Moments.
Dieses Werk kann man nicht einfach genießen, kann man nicht entdecken wollen, lässt man den Weg von Hoffnungen und Perspektiven filmischer Möglichkeiten nur links liegen. Schließlich hat Godard Zeit seines Schaffens keine Mühen gescheut, das Publikum und sich selbst herauszufordern. Doch dieser Film ist alles andere als eine Anti-Passion. Wer das Kino mag, es fiebernd oder mit Widerstreben liebt oder auch hasst, kann dem darin, hier erlebten Umgang Rechnung tragen und sich ganz auf die vielschichtigsten Möglichkeiten, ganz auf die mögliche Kreativität des Kinos einlassen, sich darüber diebisch freuen. Darin besteht die wahre Passion, die Leidenschaft, Neugier mit Neuem zu verbinden. Jerzy tut das im Anblick grandioser, einzigartiger Gemälde der Bildenden Kunst. Wer sich nicht traut, die Schönheit dieser Auseinandersetzung bewundernd wahrzunehmen, verpasst die Chance auf einen großen Ausblick am Rande des Projektors.
Passion
– So, 21. November 2010Eingestellt unter: Filmdatenbank, H - S
