Pandora’s Box (Pandora’nin Kutusu)

Pandora’s Box erzählt eine Geschichte von Einsamkeit und Differenzen. Der Film von Yesim Ustaoglu ist ein generationenübergreifendes Familiendrama, in dem der Einzelne als ein – im Leben, in der bürgerlichen Moral – gefangenes Individuum präsentiert wird. Die mittlerweile stark gealterte Mutter Nusret lebt in einem entlegenen Bergdorf am schwarzen Meer. Als sie plötzlich verschwindet, machen sich ihre zwei Töchter und ihr Sohn, von denen mittlerweile jeder in Istanbul sein eigenes Leben führt, auf die Suche nach ihr. Als sie ihre Mutter schließlich finden, nehmen sie Nusret mit nach Istanbul, da sie offensichtlich nicht mehr alleine wohnen kann. Doch schnell wird klar, dass die drei Kinder von der gealterten Dame und ihren Wünschen überfordert sind und daher als einzige Möglichkeit sehen, die an Alzheimer leidende Mutter ins Altersheim zu verfrachten. Durch das erneute und plötzliche Erscheinen der Mutter im Leben ihrer drei Kinder offenbaren sich jedoch vielmehr deren problematische Lebenssituationen, so als würde die Anwesenheit der Mutter sprichwörtlich die Büchse der Pandora öffnen. Überfordert von ihrem eigenen Leben wird das Leben der Mutter schnell zur Nebensache. Doch enthält die mythische Büchse nicht nur all das Schlechte, das wie eine Plage über die Menschheit herfällt, sondern auch die Hoffnung.
Die Regisseurin Yesim Ustaoglu zeichnet durch die psychischen Innenwelten ihrer Charaktere vor allem die Widersprüche eines Lebens im Kapitalismus nach. Auch wenn die Mutter stets zurück in ihr Bergdorf will, in das sie aber nicht alleine zurückkehren kann, bringt der Vers »There is no country for old men« (William Butler Yeats) nur die Oberfläche des Films zum Ausdruck. Die Stärke des Films liegt darin, dass er eine Geschichte erzählt, die trotz ihrer einzelnen Schicksale dennoch universell bleibt. So stehen die Fragen nach Entfremdung und dem Aufbrechen familiärer Strukturen genauso im Fokus wie die persönliche Auseinandersetzung mit den eigenen Entscheidungen und das macht Pandora’s Box auch in seinen traurigen Momenten zu einem menschlichen Film.