Louise hires a contract killer

Die Picardie im Norden Frankreichs zählt zu den Armenhäusern der Grande Nation. Hier liegt die Arbeitslosigkeit höher als in vielen anderen Departements, während die Menschen in der Picardie weniger verdienen als im Landesdurchschnitt. Und hier werden zehn Frauen über Nacht vor eine der für sie härtesten Tatsachen gestellt. Die Fabrik – leer. Der Geschäftsführer – über alle Berge. Die Maschinen – verkauft nach Asien. Die neuen Arbeitskittel, erst gestern überreicht, herrlich bestickt mit den eigenen Initialen, sind der blanke Hohn in Anbetracht der Lage. Und dann noch die lächerliche Abfindung. Die letzten zwanzig Jahre Arbeit – für was eigentlich? Unbändiger Zorn sollte von den zehn Frauen Besitz ergreifen, tut er aber nicht, bis Louise (Yolande Moreau) ihren Vorschlag unterbreitet: Das Schwein muss sterben! Einen Killer (Bouli Lanners) beauftragen, den Fuzzi ausfindig machen und abknallen. Wer kann da noch nein sagen.

In ihrem nunmehr dritten Film führen Gustave Kervern und Benoît Delépine (Aaltra; 2004 und Avida; 2006) ihr Publikum abermals an die Ränder die Gesellschaft. Ging es in den beiden vorangegangenen Filmen um Behinderte und Drogenabhängige, sind es nun Arbeitslosigkeit und der drohende Abstieg in die Verelendung, die den traurigen Antihelden hier drohen. Ohne Kitsch und Sozialromantik, aber mit viel schwarzem Humor und großer Sympathie für die durchweg wenig attraktiven Helden passt ihr Film in die derzeitige Finanzkrise wie kaum ein zweiter. Der Originaltitel Louise-Michel (†) verweist übrigens auf die französische Autorin und Anarchistin Louise Michel (†1905), die aktiv an der Pariser Kommune beteiligt war und die zu einem Attentat an Napoléon III. aufrief, um, wie sie sagte, “Tausende von Menschenleben zu retten”. Der anarchische Geist dieser Frau ist dem Film auch deutlich anzumerken und eine kleine Widmung macht deutlich, dass es Kervern und Delépine bei allem Aberwitz durchaus ernst meinen mit ihrer Kritik an Turbokapitalismus und dem Zynismus einiger Unternehmensführer. Auch wenn die Rache der Arbeiter definitiv nichts für Nachahmer ist.

Spieltermin: Dienstag, 15. Juni / Universität Wir zeigen den Film in Kooperation mit dem Lumière Kino.


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