Il grande silenzio – Leichen pflastern seinen Weg

Der Revolverschütze Silence (Jean-Louis Trintignant) erreicht auf einsamer Reise durch die Rocky Mountains den kleinen Ort Snow Hill. Um ihn herum ist tiefster Winter, Eis und Schnee bilden die bizarr schöne Kulisse seines Pfades durch die gebirgige Landschaft. In Snow Hill angekommen wird er Zeuge entmoralisierter Zustände: Eine Gruppe Ausgestoßener, die sich in den Bergen versteckt hält, kämpft in der Kargheit mit Überfällen um ihr nacktes Überleben. Der Geldhai vor Ort indes, Pollicut, versucht mit Geld und Macht, diesen für sein Geschäft und Gesetz lästigen Zustand durch eine Flut an Kopfgeldern zu beseitigen. Einer des dadurch angelockten Mobs ist El Loco, »der Verrückte« (Klaus Kinski), der keine Skrupel kennt und ein Kopfgeld nach dem anderen erbarmungslos abknallt, um an den erklärten ›outlaws‹ als rein fleischliche Ware zu verdienen. Silence, der nie ein Wort spricht, erklärt den korrupten und unmenschlichen (?) Zuständen in Snow Hill den Krieg: Er stellt sich Loco und seinen Schergen in den Weg.

Sergio Corbucci erschuf hier wie schon mit Django (1966) ein grandioses, unerreichtes Meisterwerk des Italo-Westerns. Jean-Louis Trintignant verkörpert herausragend den undurchsichtigen, dezent artikulierten Protagonisten, dessen Rivale Loco ist mit Klaus Kinskis phänomenalem Spiel brillant besetzt, gebettet auf Ennio Morricones einzigartig bewegendem Score. Der weitere tiefe Genuss dieses Films entfaltet sich in Corbuccis Gesellschaftskritik und seinem Umgang mit dem Genre des Italo-Westerns: Er kreiert ein knallhartes wie vielschichtiges Setting: die Ästhetik, Charaktere, die Moral und Gewalt – eine Vielzahl an feinen, todernst gezeichneten Facetten, die mit den Eigenschaften, den Attitüden des Genres spielen, ihm applaudieren und es gleichzeitig kompromisslos reflektieren, kokettieren und zersetzen. Dieser Film ist Quintessenz und Kernstück des Italo- Westerns, und springt gleichzeitig mühelos über ihn hinweg, während er Leitmotive und Grenzen aufzeigt, verrät, überquert und neu definiert.

Unser erster Schwerpunkt 2011 zum Ende des Genres wird uns noch einige andere Charakter-Filme vorführen, die sich nicht scheuen, die Gegenwart ihrer Existenz umzugraben.

Il grande silenzio – Leichen pflastern seinen Weg

IT/FR 1968; dt . Fassung; 105 Min.; Regie: Sergio Corbucci; Kamera: Silvano Ippo liti; Musik: Ennio Morricone; mit: Jean-Louis Trintignant, Klaus Kinski, Vonetta McGee, Frank Wolff, Luigi Pistilli, u.a.; FSK: ab 18

Wir zeigen den Film in seiner im 35mm Verleih einzig erhältlichen deutschen Fassung.

Spieltermine: 6. – 10. Januar 2011


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