Eine Beziehung am Abgrund. Isa und Bahar haben sich nicht mehr viel zu sagen. Unter der brennenden Sonne der türkischen Mittelmeerküste spricht aus ihren Gesichtern die Kälte einer Liebe in ihren letzten Atemzügen. Jenen Atem nimmt Isa seiner Freundin im Traum, noch ehe bittere Wahrheit wird, was unweigerlich geschehen musste: das Paar trennt sich. Monate später, im Schneerausch des winterlichen Ostanatoliens, entflammt Isas Leidenschaft von neuem.
Von Einsamkeit getrieben, folgt er ihr in die Berge – in einem letzten, verzweifelten Versuch, Gewesenes wieder sein zu lassen und im latenten Wissen um die Hoffnungslosigkeit dieses Unterfangens. „Iklimler“ zeichnet das Bild zweier Menschen, die nicht an der Liebe selbst scheitern, sondern vielmehr an ihrer Unfähigkeit, zu lieben.
Nuri B. Ceylan, der gleichzeitig Regisseur und Hauptdarsteller ist, setzt sein melancholisches Dokument einer gescheiterten Beziehung wortkarg und umso bildgewaltiger in Szene. Die kühlen und minimalistischrn Aufnahmen entfalten eine unnachgiebige, rohe Kraft. Die Natur mit ihren titelgebenden Jahreszeiten spielt dabei eine tragende Rolle. In beeindruckenden Landschaftsaufnahmen eingefangen, ist sie nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern essentielles, dramaturgisches Element voll inszenatorischer Wucht. Doch sind es vor allem die entlarvenden Nahaufnahmen, die „Iklimler“ ausmachen und in denen sich dem Zuschauer schonungslos der Seelenzustand der Protagonisten offenbart. Ohnmacht und Schmerz manifestieren sich nicht in Worten, sondern spiegeln sich in den Gesichtern von Isa und Bahar wieder.
Dass „Iklimler“ so gut funktioniert, liegt nicht zuletzt auch am wunderbaren Zusammenspiel von Ceylan und seiner Frau Ebru, welche die Rolle der Bahar verkörpert. Das Ehepaar verleiht der an sich simpel gestrickten Geschichte psychologische Tiefe. Trotz spärlicher Worte und zurückhaltender Mimik vermögen sie den Zuschauer jederzeit mit in die seelischen Abgründe der beiden Entliebten zu entführen. Ceylan ist mit „Iklimler“ ein Film von unglaublicher Authentizität und Eindringlichkeit gelungen.
IKLIMLER (OmU) – JAHRESZEITEN
TÜRKEI / FRANKREICH 2006; 97 MIN.; REGIE: NURI BILGE CEYLAN; MIT: EBRU CEYLAN, NURI BILGE CEYLAN, NAZAN KESAL, MEHMET ERYILMAZ, ARIF ASCI, CAN ÖZBATUR; FSK: AB 16
