Hunger

Nordirland 1981. Inhaftierte IRA-Mitglieder im Maze Gefängnis befinden sich im Protest. Ihr Status als politische Gefangene wurde ihnen unter der Regierung von Margaret Thatcher entzogen. Um diesen wiederzuerlangen ergreifen sie alle möglichen Mittel. Bobby Sands, Mitglied der IRA und verurteilt zu 14 Jahren Haft, spielt bei diesen Protesten eine zentrale Rolle. Nach jahrelangen erfolglosen Kämpfen der Gefangenen kommt es zum Hungerstreik. Sands stirbt nach 66 Tagen ohne Nahrung als erster von zehn irischen Gefangenen.

Auf sehr kraftvolle und intensive Weise stellt McQueen das Leben der Gefangenen und den Hungerstreik von 1981 dar. Wortlos reihen sich Szenen aneinander, die keine logische Reihenfolge erkennen, sondern im Betrachter eine Collage an Alltagseindrücken im Maze Gefängnis entstehen lassen. Exkremente der Gefangenen werden zur Waffe gegen die entmenschlichenden Haftbedingungen, der Körper zum einzigen Instrument, dem eigenen Willen zwischen kahlen Wänden, Gittern, Schlössern und schweren Eisentüren Ausdruck zu verleihen. Den „No-wash“-Protesten begegnen die Wärter mit ähnlich konsequenten und konzentrierten Aktionen: erzwungene Waschungen mit Schläuchen, angekündigte, systematische Prügeleinsätze und Isolation. Symbolische und konkrete Gewalt. Gewalt als Gegengewalt, die sich nicht nur gegen andere, sondern am Ende auch gegen sich selbst richtet. Stoisch reagiert das System auf die Revolte der Gefangenen.

Obwohl während des Films der eigentliche politische Zusammenhang der Prosteste in den Hintergrund rückt, liefert Hunger einen wichtigen Beitrag zur nordirischen Geschichte. Hunger ist der erste Film des britischen Regisseurs Steve McQueen und gewann beim europäischen Filmfestival von Cannes 2008 die Goldene Kamera. Der Film zeichnet sich aus durch seine Direktheit, den Versuch, die Dinge möglichst real erscheinen zu lassen, ohne den Inhalt durch schnelle Schnitte oder Musik zu manipulieren. So muss auch der Zuschauer ohne Zeitsprünge die Brutalität und Erniedrigungen ertragen, welche die Gefangenen dazu zwangen, in den Hungerstreik zu gehen. Ein Sturm der Bilder erzeugt durch dokumentarische Mittel und Enthaltsamkeit von Spezialeffekten.