Humpday

Ben (Mark Duplass) hat keinen Grund zur Klage. Sein Leben folgt den Idealvorstellungen der bürgerlichen Gesellschaft. Er hat einen festen Job, ein kleines Haus und mit seiner Frau Anna (Alycia Delmore) arbeitet er fleißig an Nachkommen.

Die heimische Harmonie wird jedoch bald gestört durch den Besuch von Andrew (Joshua Leonard), einem alten Studienfreund, der auf der Suche nach sich selbst die letzten Jahre hier und dort lebte und nun ein paar Tage Station in Seattle macht. Ähnlich und doch vollkommen anders als Kelly Reichardts Old Joy nutzt Lynn Shelton in ihrem zweiten Film Humpday diese Ausgangssituation, um über mögliche Lebensentwürfe nordamerikanischer Männer jenseits der Dreißig nachzudenken. Während bei Reichardt vornehmlich die Bilder sprechen, sind es bei Shelton Ben und Andrew.

Auf einer Party von Freunden entwickeln die beiden im wahrsten Sinne des Wortes eine Schnapsidee: Anlässlich des alljährlichen Humpfest, einem bekannten Amateurpornofilmfestival in ihrer Heimatstadt, beschließen sie ungeachtet bzw. gerade wegen ihrer heterosexuellen Vorlieben, gemeinsam einen schwulen Porno zu drehen. Obwohl am nächsten Morgen eine gewisse Ernüchterung einsetzt, möchten beide am Vorhaben festhalten. Ben sieht es als Möglichkeit, seiner Freiheit trotz Frau und Kind Ausdruck zu verleihen und Andrew offenbart, dass ihm in letzter Zeit wenig gelungen sei und hier eine Chance erwachse, seinem nomadischen, sinnleeren Leben neue Bedeutung zu verleihen.

Wie kann Ben nun der familienfixierten Anna erklären, dass er unbedingt mit Andrew vor den Augen einer Videokamera schlafen muss? Ist Andrew tatsächlich so liberal und sexuell offen, wie er im ersten Moment suggeriert oder schlummern in ihm tiefsitzende Ängste und restriktive Moralvorstellungen?
Shelton gelingt es mit dieser Komödie aufgrund charismatischer Darsteller, äußerst sensibler Dialoge, aber vor allem einer filmästhetischen Herangehensweise, die Zufall, Improvisation und Lebensnähe – wie Bradley Rust Gray in The Exploding Girl oder Andrew Bujalski mit Beeswax – zu nutzen weiß, sich überzeugend vom sexistischen und heteronormativen Humor à la Judd Apatow & Co. abzusetzen und dadurch das Publikum sowohl zum Denken als auch zum Lachen zu bringen.