Philip ist vor allem eins – ein Misanthrop. Wie seine Schildkröte Paul lebt er in einem Panzer, der ihn vom Rest der Welt trennt. Seine Welt besteht aus einer Mischung von Pedanterie, Langeweile und Einsamkeit. Anders als man annehmen könnte, ist Philip damit zufrieden. Glücklich zu sein versucht er gar nicht erst, denn das ist zu riskant.
Seine Tage laufen immer gleich ab: Morgens der Gang zur Bank, nachmittags der Besuch beim Psychiater und abends der Platz im Publikum eines Kleinkunstclubs, bei dem er doch selber so gerne auf der Bühne stehen würde.

All das ändert sich, als die blinde Cellistin Lina (Katharina Schüttler) in Philips Leben stolpert, welches von da an eine neue Wendung nimmt. Lina ist eine mutige junge Frau, die sich ihrer Blindheit stellt und auch Philip mit seinem Unverständnis für ihre Behinderung entschlossen entgegentritt.

Als in Philips Wohnung eingebrochen wird und alles bis auf seine Bügelmaschine gestohlen wird, ist er gezwungen, seinen Panzer zu verlassen und sich auf seine neue Bekanntschaft einzulassen. Obwohl er sich anfangs wehrt, reißt Lina Philip mit und öffnet ihm die Augen für das Leben und die Liebe: Das alles geschieht natürlich nicht ohne Hindernisse. Von Anfang an verletzt und beleidigt Philip Lina, ohne es auch nur zu merken. Sie bezaubert ihn auf dem Cello, er spielt ihr Pantomime vor…
Almut Getto zeigt mit Ganz nah bei dir ein ungleiches Paar, das mit der Blindheit des Anderen nicht umgehen kann und gleichzeitig davon fasziniert ist.

Das Happy Ending ist absehbar und doch wird der Zuschauer immer wieder von kleinen Wendungen überrascht, die so absurd und doch so passend scheinen. Der schon fast schwarze Humor wird durch die ruhige Erzählweise und sanften Bilder sowie die charmante Figur der Lina aufgefangen.

Ganz nah bei dir ist ein modernes Märchen, das zwei Menschen auf einem Pfad zwischen Wünschen und Ängsten, Mut und Vertrauen begleitet.
Sechs Jahre nach ihrem ersten Kinofilm Fickende Fischer feiert Almut Getto erneut einen Erfolg. Als Gewinner des Publikumspreises haben sich Bastian Trost und Katharina Schüttler 2009 auf dem Max-Ophüls-Festival in die Herzen der Zuschauer gespielt.