Wie war das noch gleich mit dem Menschen, der dem Menschen ein Wolf sei?! Man mag Thomas Hobbes glauben oder nicht, aber dieser Film führt dem Zuschauer eine abseitige Neigung des Menschen vor, die zumindest nicht mehr als menschlich angesehen werden kann. Der Film ist ein schwer verdaulicher Cocktail aus Gewalt, Sex und Drogen, Hardcore-Punk, Homophobie, Homosexualität und Antifeminismus. Seinesgleichen suchte man im vergangenen Jahrzehnt fast vergeblich, nur wenige Filme wie zum Beispiel Gaspar Noës Irréversible (2002) oder Mary Harrons American Psycho (2000) fallen einem dazu ein.

Das Leben der drei Outcasts Jan, Koen und Ivan ist gelinde gesagt beschissen. Sie machen den untersten Teil des Bodensatzes der Gesellschaft aus. Der gepeinigte Schwule, der faschistische Frauenhasser und der Rabenvater, der sein Kind auch mal mit Kokain ruhig hält, suchen einen Drummer für ihre Punkband, die sich ironischer Weise nach dem, was in ihrer Vorstellung das Abstoßendste ist, „The Feminists“ nennen wird. Sie wenden sich schließlich an den gefeierten Literaturprinzen Dries, der in seiner Vergangenheit ein ziemlich passabler Trommler war. Belustigt über das Elend dieser nach eigener Aussage „Behinderten“ sagt er jedoch zu. Denn so kann er neben piekfeinen Drogen-/Sexpartys auch noch das Leben dieser Versager manipulieren. Sie unterliegen der Macht seines cäsarischen Daumens.

Angestachelt von Punkrock und Drogen ergießt sich die ohnehin harte Geschichte gegen Ende in ein bizarres Gewaltfestival, das den Zuschauer mit Scham erfüllt über jegliche Lacher in der ersten Hälfte des Films. Der pessimistisch gefärbte Hyperrealismus tut hier sein Übriges. Herman Brusselmans, der flämische „poèt maudit“, der die Vorlage dieses Films erdachte, ist also doch verfilmbar, wenn auch ohne jegliche Fördergelder aus staatlichen Kassen: Die belgische Filmförderung lehnt auf Brusselmans basierende Drehbücher offenbar kategorisch ab, womöglich aus der Angst vor dem Wolf im Menschen.

Cool, sexy, smart und erfolgreich ist er, der neue Typ des Serienmörders, der von der literarischen, post-dekadent hedonistischen Fiktion über die Zeitachse des neuen Jahrtausends auf die Leinwände gespiegelt wird. Ob Dries hier in Ex-Drummer (Brusselmans, 1994) oder Patrick Bateman in American Psycho (Bret Easton Ellis, 1991, in Deutschland bis 2001 verboten), beide sind in ihrem Dasein maßlos gelangweilt und gesättigt. Je weniger Kicks das Leben ihnen bietet, desto größer wird ihr Wille zur Zerstörung. Das Spiel, das sie dabei mit anderen Menschen treiben, ist dabei höchst raffiniert. Die Erzählhaltung, die dem Ganzen zugrunde liegt, erinnert noch an den Schelm und dessen korrupte Wiedergabe der Geschichte. Dries und Bateman sind nun postmoderne Mutanten des Schelms und sie begründen den Typus des bad yuppie.

Spieltermine: 8. – 12. April 2010