Nach Dog Soldiers (2003) und dem Überraschungshit The Descent (2005) haben viele gehofft, dass Neil Marshall trotz des Erfolgs dem Horror-Genre treu bleiben würde. Als dann gemeldet wurde, dass der Independent-Regisseur für seinen neuen Film das stattliche Budget von 30 Millionen Dollar zusammengetragen hat, durfte man schwer gespannt sein. Am Ende hat er nun doch alle überrascht.

Wie gewohnt geht er dahin, wo es weh tut. In Glasgow bricht eine Seuche aus und rafft die Menschen dahin. Die britische Regierung riegelt Schottland mit einer Stahlplatten-Version des Hadrianwalls ab. Die Einwohner bleiben sich selbst überlassen und schon bald sind jenseits der Mauer die Feuer erloschen, auf denen die unzähligen Leichen verbrannt wurden. Die Welt wendet sich von London ab, die Massen verarmen, Gewalt und Betrug sind business as usual. Jahrzehnte später bricht derselbe Virus in London aus. Der Notfallplan der Regierung sieht vor, die betroffenen Stadtteile zu fluten.

Während die Infizierten vor sich hin faulen, gefällt sich die politische Elite in der medialen Beherrschung der Situation. Die Engführung des 28-Days-Szenarios geht nun über in ein Endzeit-Spekatakel á la Carpenter (Die Klapperschlange, Flucht aus L.A.) oder Miller (Mad Max). Überwachungskameras haben in Glasgow Überlebende ausgemacht. Ein Spezialkommando unter der Leitung der taffen Elitesoldatin Eden Sinclair (Rhona Mitra) wird in die Todeszone geschickt. Sie soll herausfinden, wie dort Menschen überleben konnten. Schlägt der Einsatz fehl, sterben in London Millionen von Menschen. Die nachfolgende Suche nach einem Immunstoff wird zu einer rasanten Achterbahnfahrt durch die verschiedensten Filmgenres und eine Unmenge von Zitaten gießt Nitroglyzerin in das narrative Getriebe des Films.
Endzeit-Revue, Kannibalenparty, Gladiatorenkampf, die Reise der Gefährten, ein bisschen Knight Rider und viel Mad Max, maßloses Overacting (Craig Conway) und Rhona Mitra (neben Milla Jovovich) die sexiest Kampfmaschine alive, ein höchst eigenwilliger Score und politische Unkorrektheit im großem Stil sorgen für enorm frischen Wind unter der Donnerkuppel. Trotz aller Kick-Ass-Action liegt dem wilden Genre-Crossover eine stringente Story zugrunde, die sich wie ein Drahtseil über die Akte des Films spannt. Ständig wird der Raum verengt (no way out), gleichzeitig dehnt sich die erzählte Zeit (ask the final girl). Genüsslich begeben sich die einzelnen Sequenzen in eine finale Engführung, um dann der bequemen Sehgewohnheit des Zuschauers den Mittelfinger hinzuhalten. Ohne Atempause springt der Film dann federleicht über Genregrenzen hinweg und öffnet damit die Räume für den Verlauf weiterer Handlungen. Wenn Sie gerne Kettenkarussell fahren, können Sie getrost zu Hause bleiben, fahren Sie lieber Achterbahn, dann, bitte, steigen Sie ein!

Spieltermine: 22. – 26. April