»Ich nehme kein Trinkgeld. Ich bin doch kein Bettler«, sagt der 14-jährige Russel. Russel fährt Rikscha, um etwas Geld für sich und seine Familie zu verdienen.

Doch eigentlich träumt der Junge von einer Karriere als Schauspieler – und obwohl er Talent hat und dies sogar schon in größeren Produktionen unter Beweis stellen durfte, wirkt Russel nur wenig zuversichtlich ob seiner Zukunft. In seinen Augen spiegelt sich das Wissen um all die Widrigkeiten und Hürden, die er noch wird überwinden müssen, und in seinen Worten schwingt latent die Angst der existentiellen Ungewissheit mit …

Dies ist nur eines von vier Leben, in die uns Regisseur Shaheen Dill-Riaz einen Einblick erlaubt. Nach vielen Jahren ist der Grimme-Preisträger in seine Heimatstadt Dhaka zurückgekehrt und liefert mit Die glücklichsten Menschen der Welt ein Dokument dieses Wiedersehens ab.

Beeindruckend ist, welche Sogwirkung die eigentlich unspektakulären und unaufdringlichen Bilder entwickeln… Es scheint fast so, als hätte die Kamera ein Stück der Seele von Land und Leuten eingefangen und so kommen einem die Straßen und Ecken von Dhaka beinah beängstigend vertraut vor – man hat das Gefühl, tatsächlich dort zu sein. Die größte Stärke des Films aber zeigt sich, wenn er seine Protagonisten zu Wort kommen lässt: Spielend schafft er dem Zuschauer ein Tor ins Wesen der Menschen und macht ihm so eine Welt zugänglich, die auf den ersten Blick doch so fremd scheint. Wir erfahren Bangladesch nicht etwa in ausufernden Fakten und Panoramabildern, sondern durch die Augen ganz normaler Leute. Das ist authentisch, das lässt mitfühlen und verstehen, ist in manchen Momenten erdrückend bitter – und in anderen Momenten wiederum erdrückend schön.
So ist der Film Die glücklichsten Menschen der Welt am Ende ganz wie die Menschen, die er porträtiert: einfach und doch faszinierend, voll mit unschönen Erfahrungen und trotz allem auf eine ganz eigene Art und Weise wieder lebensbejahend. Und auch der Titel, der als Anspielung auf eine Studie der London School of Economics gedacht ist, hat in diesem Sinne vielleicht etwas Wahres.

Am Donnerstag, dem 9. Dezember steht uns Regisseur Shaheen Dill-Riaz freundlicherweise für ein Filmgespräch zur Verfügung.