„Ich bin Schriftsteller. Das klingt so lächerlich, selbst wenn ein Schriftsteller das sagt.“

Literaturverfilmungen haften bittere Vorurteile an, meistens hat es damit zu tun, dass behauptet wird, ein Film könnte seiner Vorlage nicht gerecht werden. Sollte er auch gar nicht: Medienwechsel und Verschiebungen müssen nicht versteckt, sondern gefeiert werden. Davon und von der Frage, wie man seine eigene Vergangenheit überhaupt irgendwie einholen kann handelt Die Beschissenheit der Dinge und natürlich davon, dass die Dinge beschissen sind, aber das erklärt sich beinahe von selbst.

Die Geschichte hat einen klaren Protagonisten, in der Mitte des Kreises steht er, fest und dennoch wankend: Gottheit Alkohol, alle anderen Figuren dürfen um den hölzernen Altar tanzen, sich am labenden Nektar – dem kühlen Bier – erfrischen und Gesänge anstimmen um seine Heiligkeit zu preisen: „Ein Wunder ist geschehen, ein Wunder ist geschehen, die Muschi ist nass und kein Regen ist zu sehen …“ Ein gnädiger Gott, er gibt – den Rausch der Vergessenheit –, aber er nimmt auch.

Von den Verlusten, sei es nun menschlich, zeitlich oder materiell, erzählt der sich am Anfang als Ich-Erzähler selbst vorstellende Schriftsteller Gunther, welcher sich retrospektiv an seine Kindheit mit Vater, Onkeln und Großmutter zurückerinnert und versucht das zu verarbeiten, was eigentlich sowieso nicht mehr zu verarbeiten ist. Er schreibt, weil er schreiben muss. Dazu gehören die bekannte und schon oft filmische verarbeitete Mixtur aus asozialen und politisch weniger korrekten Exzessen, Prügeleien, Völkerverständigung der anderen Art, immer wieder Bier, aber eben auch die Folgen abseits des derben Humors.

Hier zeigt Die Beschissenheit der Dinge sein Potential, als Medium zur Selbstheilung. Jeder Film bietet dem Zuschauer unzählige Möglichkeiten an – es gibt kein falsch, aber, man kann sich selbst um absurde Freuden bringen, wenn man den Film zu ernst oder im Gegenteil gar nicht ernst nimmt. Um vielfaches schöner ist da das Pendeln zwischen lachen und weinen, davon bleibt ein dem Film angemessenes Schwanken im Kopf.

De helaasheid der dingen (OmU)
(Die Beschissenheit der Dinge)
Belgien, Niederlande 2009; 105 Min.; Regie: Felix Van Groeningen; Drehbuch: Christophe Dirickx, Felix Van Groeningen; Mit: Kenneth Vanbaeden, Valentijn Dhaenens, Koen De Graeve, Johan Heldenbergh, Wouter Hendrickx u.a.; FSK 12.