Die 120 Tage von Bottrop ist eine Hommage. Gleichzeitig eine gescheiterte Wiederverfilmung. Also ein Film über den Versuch einer Wiederverfilmung.

Eine Hommage über welchen Film eigentlich? Bottrop ist vor allem ein Film über das große Scheitern. Er will scheitern und muss scheitern. Oder um genau zu sein, das Scheitern muss selbst erst einmal scheitern, damit überhaupt noch irgendetwas funktioniert. „Die deutsche Krankheit Film, der Triumph des Willens zur Komödie, all das muss totgemacht werden. Einer musste diesen schmutzigen Job erledigen. Er hat es für uns getan.“ Schlingensief, der selbst ernannte Märtyrer, opfert sich.

Sein Aufopferung ist selbst die Hommage, weniger an Pasolinis Meisterwerk, als vielmehr an Fassbinders unermüdliches Schaffen. Rainer Werner Fassbinder, das Ungetüm des deutschen Kinos, der Koloss. Schlagwort: Der Neue Deutsche Film. Der Rest besteht aus Versatzstücken: alles geklaut, das war alles schon einmal da, das ist alles nicht mehr neu, höchstens deutsch. „Mit Pasolini hat Bottrop kaum etwas zu tun, allein die in Hundehaltung gezwungenen und an der Leine geführten Menschen aus dem Film des italienischen Neorealisten sind verarbeitet – unkommentiert und als Detail unter vielen. Der Film ist auch nicht in 120, sondern in nur fünf Tagen abgedreht worden. … Und – wen wundert es – Bottrop kommt auch nicht darin vor.“ Kein Sodom und kein Bottrop, aber Helge Schneider und sein Jazz: laut und mono.
Zu dieser Musik bearbeitet Schlingensief Fassbinder, es ist „der Abschied der Kunst, der großen deutschen Filmkunst. Und zugleich eine Grabtragung. Der deutsche Kunstfilm ist tot, es lebe der deutsche Kunstfilm!“ Formvollendete Nostalgie auf 16mm, bei der sogar Leni Riefenstahl kurz auf dem Grab steigt und kurzerhand die Kamera übernimmt. Alles ist möglich und deutscher kann der Deutsche Film wahrhaftig nicht mehr werden. „Wir mussten zehnmal schneiden, weil er so hackedicht war, dass er sich nur Teile merken konnte. Also, es ist wirklich ein schöner Film.“ Die 120 Tage von Bottrop, ein wirklich schöner, aber auch wirklich wichtiger Film.