Johann Rettenberger verfolgt zwei Dinge mit großer Beharrlichkeit: Das eine ist das Laufen, das andere sind Banken bzw. deren Geld. Wegen eines missglückten Überfalls auf letztere verbüßt Rettenberger sechs Jahre Haft, und als er schließlich auf Bewährung frei kommt, sind dies sofort wieder die Dinge, denen er sich nicht verschließen kann. Trotz wichtiger Erfolge in seiner neu erlangten Freiheit, u.a. als überraschende Sensation beim Wien-Marathon, kann er sich auch seiner anderen, dunklen Leidenschaft nicht erwehren: Schon kurz nach Haftentlassung beginnt er erneut, mit Hilfe seines Lauftalents in rasendem Tempo Banken auszurauben. Es wird stetig brenzliger, als er zudem noch auf seine ehemalige Freundin und Geliebte Erika trifft – der Einzelgänger Rettenberger weiß zunehmend nichts mit der ihm nahe gelegten Rechtschaffenheit anzufangen: Soziopathie und die Konfrontation mit sich und seiner „Sucht“ sowie dem Gesetz, das ihn mit Argusaugen verfolgt, spitzen sich unaufhaltsam zu, sein eigener Sprint ins Bodenlose wird zum Wettlauf gegen ihn selbst.

Auf der Berlinale 2010 war Benjamin Heisenbergs zweiter Spielfilm als stiller Geheimtipp im Wettbewerb um den Goldenen Bären zu spüren. Dass er dann dennoch leer ausging, wirft aber bei weitem keinerlei Schatten über die bedächtige Brillanz dieses Films (höchstens auf die Entscheidungsgewalt der Jury): Heisenberg zeichnet das Bild Johann Rettenbergers auf eine ganz eigene, physisch unheimlich mächtige Art und Weise, die dem Zuschauer dennoch massiv eigenen Spielraum lässt. Dies ist eine der größten Leistungen des Regisseurs, aber auch die des Hauptdarstellers Andreas Lust, der den Charakter Rettenbergers denkbar passgenau konkret werden lässt: Ohne die oft üblichen erklärenden Bilder, Schemata oder „Fallstudien“ wird dem Zuschauer höchst plausibel mit dem Gezeigten das Erlebte erzählt, nicht erklärt. So ist es dann auch Rettenbergers markanter Lebensversuch, schnell gespieltes, (ab)laufendes Leben, mit rasanten Eckmarken, Stolpersteinen und wiederkehrendem Seitenstechen, das man zu besten Open Air Konditionen hautnah auf der Leinwand spüren wird.

Spieltermin: Samstag, 24. Juli / Rheinstrandbad