Privatisierung. Angepriesen als Heilzwecklösung von Neoliberalen und vehement kritisiert von Globalisierungsgegnern. Ein Wort, das uns seit den 90ern immer häufiger begegnet. Und nach der letzten Finanzkrise und ihren Nachwehen, die wir immer noch verarbeiten, scheint es aktueller denn je zu sein. Doch was hat Privatisierung den Menschen überall in der Welt bisher gebracht?

Der Dokumentarfilmer Martin Opitz geht dem Phänomen auf den Grund. Zu Wort kommen dabei sowohl Betroffene als auch Unternehmen. Wie weit die Meinungen und die Welten, in der die Sprecher leben, auseinanderklaffen, wird hier auf eindrucksvolle Weise bewusst gemacht.
Wir haben einerseits einen überforderten Staat, der deshalb Aufgaben aus der Hand gibt, und andererseits Unternehmen, die an hohen Gewinnen interessiert sind. Die Bedürfnisse der Bevölkerung werden dadurch oft hinten angestellt. Statt Effizienz erfahren wir Absurdität und erschreckende Gleichgültigkeit gegenüber den Menschen.

So stellt ein südafrikanischer Stromkonzern seinen nichtzahlungsfähigen Kunden in einer Township den Strom einfach ab. Auf den Philippinen wird ein Junge im Krankenhaus schlicht weggeschickt, weil er seine dringend benötigte Dialyse nicht bezahlen kann. Zudem herrscht dort Mangel an Fachpersonal, weil dieses wegen der Dumping-Löhne auswandert. In England verursachen schlecht erhaltene Schienen vermehrt schwere Zugunglücke und in Bolivien wird es Bewohnern eines Dorfes vom örtlichen Wasserwerk verboten, Regenwasser zu sammeln.
Doch die unterschiedlichen Protagonisten werden nicht als wehrlose Opfer gezeigt. Vielmehr dokumentiert die Kamera einfühlsam den Kampfgeist und die Hoffnung der Betroffenen im Kampf um ihre Rechte.

Der Film greift einmal mehr die Frage nach dem Widerspruch zwischen menschlicher Gier und Moral auf. „Man redet über Statistiken und nicht über die Menschen hinter diesen Statistiken“, fasst der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz das mit der Privatisierung einhergehende Phänomen zusammen. Opitz gibt diesen Zahlen in seiner Dokumentation ein Gesicht. Und zwar ein trotziges.