1876. Abfahrt: Cleveland. Ziel: Machine, an der Westküste. Dort soll der junge William Blake (Johnny Depp) eine Stelle als Buchhalter antreten. Eine Dampflok schnauft sich entlang der Landnahme durch den amerikanischen Kontinent. Ausgebrannte Planwägen, Büffelkadaver. Ankunft Machine: Mischung aus Hochofen und Geisterstadt, ein Ort am Ende der Geschichte.

Dort ist der Wille vom alten Dickinson (Robert Mitchum in seiner letzten Rolle) Gesetz. Die Buchhalter-Stelle ist weg. Blake sitzt im Dreck. Kein Geld, kein Weg zurück. Ein Mädchen nimmt ihn auf. Sie wird von ihrem Ex-Lover (Gabriel Byrne) erschossen. Die Kugel durchdringt ihre Brust und trifft auch ihn. In Notwehr erschießt Blake den Mörder. Der ist Dickinsons Sohn. Der Zorn des Alten wiegt schwer. Dickinson erklärt Blake zum Doppelmörder, setzt Kopfgeld aus und heuert drei Killer an. Schwer verletzt flieht Blake in die Wildnis. Das ausführlichste Sterben der Filmgeschichte hat begonnen.

Von Cleveland nach Machine ist alles verloren gegangen, was zivilisatorischen Wert hat. In der Wildnis trifft Blake auf einen Indianer (Gary Farmer), der sich Nobody nennt. Nobody, der Namen und Identität nicht trennen kann, hält ihn für eine Art Reinkarnation des gleichnamigen englischen Dichters und Malers William Blake. Nobody hat Kultur und erzählt seine Geschichte. Als Junge wurde er verschleppt und als Jahrmarkts-Attraktion in ganz England ausgestellt. Nebenbei wurde er vertraut mit der englischen Literatur. Wieder zurück konnte er nicht mehr bei seinem Stamm leben. Sie gaben ihm den Namen Xebeche (he who talks much and says nothing).
Nobody pflegt den sterbenden Mann und wird dessen Begleiter. Die Flucht wird zu einer spirituellen Reise (doch eigentlich gehen sie im Kreis). Die Gefährten verkörpern den Unterschied von Kultur und Zivilisation, von der sich beide entfremdet haben.
Im Film reden die Protagonisten entweder wenig oder sie reden zu viel.
Besonders merkwürdig ist das Herbeireden von Wirklichkeiten. Dickinsons rachsüchtige Verdrehung der Tatsachen verwandeln den schüchternen Buchhalter in einen Killer. Für Nobody ist Blake ein Racheengel, der seine Gedichte mit Blei schreibt und den Weißen Mann büßen lässt. Blake kann auf einmal schießen und kann sogar ohne Brille sehen. Während ‚Übertreibungen‘ für die zahlreichen komischen Momente des Films verantwortlich sind, bestimmen Auslassungen den düsteren Grundton des Films. Lakonische Kargheit, oft wird nur das Ergebnis gezeigt, nicht aber, was passiert ist; lange Schwarzblenden, Farblosigkeit, das Aufblitzen drastischer Gewalt, ohne dass sie abgefedert wird.

Das lakonische, sich verweigernde Storytelling überantwortet der Kamera die Aufgabe, etwaige Lücken in der Kette von Ursache und Wirkung zu füllen. Robby Müller findet dafür höchst suggestive Bilder, die von Neil Youngs spröden Gitarrenriffs kongenial unterlegt sind.