Die Partygäste eines Londoner Clubs staunen nicht schlecht, als sie im Hinterhof der Discothek ein kleines, obskures Wandertheater erblicken. Seit vielen Jahren tingeln der hoffnungslos unmoderne Dr. Parnassus (Christopher Plummer) und seine wunderliche Truppe mit ihrem ramponierten Wohn- und Theaterwagen durch den Untergrund des pulsierenden Herzens Londons.

Immer auf der Hut vor dem Leibhaftigen (Tom Waits), doch stetig auf der Suche nach willigen Seelen. Seelen, die sich am Einfachsten an vergessenen Orten finden lassen. Seelen, denen Abend für Abend im fantastischen Kabinett des Dr. Parnassus eine unvergessliche Reise in die eigene Vorstellungswelt angeboten wird.

Den Volltrunkenen dieser Nacht erscheint das Ensemble zurecht völlig deplatziert und altertümlich. Allen voran der umherhüpfende Schauspieler, der ihnen einen geheimnisvollen Zauberspiegel als Hauptattraktion anpreisen will. Noch lachen sie, veralbern die Theatertruppe, stürmen die Bühne und entern das kleine, gebrechliche Wunderkabinett. Als aber einer der gröhlenden Zuschauer nach dem Tumult spurlos verschwunden scheint, verhallt auch das Gelächter…

Erneut steht ein Gilliam-Projekt kurz vor dem Aus, als einer seiner Hauptdarsteller (Heath Ledger) plötzlich verstirbt. Erneut berappelt sich der meisterliche Geschichtenerzähler und schlägt dem „Tod“ auf allen Ebenen ein Schnippchen: Gilliam ersetzt nicht heimlich einen Schauspieler, sondern inszeniert diesen Umstand zu einem der Hauptstränge seines Märchens. Ein Märchen, das in gilliamscher Manier „die fantastische Imagination“ einer harten und kruden Realität zum Fraß vorwirft. Einzig die Vorstellungskraft und Phantasie des Zuschauers vermögen es, seinen bildgewaltigen und leinwandsprengenden Bilderrausch zu retten. Kaum ein Regisseur nutzt die „Traumfabrik“ als Spielwiese sprichwörtlicher als Gilliam. Wie die Welt des Alter Ego Doktor Parnassus kann das Kino-Universum nur existieren, solange Freidenker wie Gilliam ihre Geschichten erzählen.

Spieltermin: Donnerstag, 5. August / Neuwerk