Ist Blut tatsächlich dicker als Wasser? Und wiegt Loyalität mehr als Moral? Mit der Beantwortung dieser Fragen sieht sich der junge Kosovo-Albaner Mirush in Marius Holsts vielschichtigem Drama konfrontiert. Er reist seinem ihm unbekannten Vater nach, der einst Heimat, Frau und Kinder verließ, um im norwegischen Oslo sein Glück zu finden. Hier hat sich der Emigrant ein neues Leben aufgebaut und die Familie nicht nur geographisch hinter sich gelassen, wie Mirush ernüchtert feststellen muss. Dem Restauranteigner sitzt jedoch die albanische Mafia im Nacken – und Mirush, der inkognito als Küchenhilfe anheuert, erweist sich als schlechter Glücksbringer.

Der aufwühlende Film wird vor allem vom mitreißenden Spiel des 15-jährigen Nazif Muarremi getragen, der den unheilbringenden Anti-Helden derart einnehmend gibt, dass man sich seinem naiven Charme nur schwer entziehen kann. Marius Holst vereint in seinem blutigen, spannungsgeladenen Drama Motive des Mafia-Film-Genres und der klassischen Vatersuche. Innerhalb dieses Rahmens bildet sich der Kern des Films: Es brechen innere Konflikte und moralische Ambivalenzen auf, die den Zuschauer mit ihrer Schonungslosigkeit und Direktheit geradezu überfahren.