In seinem dritten Langfilm Beeswax erzählt Andrew Bujalski, einer der wichtigsten Vertreter des gegenwärtigen US-Independentkinos, von den zwei ungleichen Zwillingsschwestern Jeannie und Lauren.

Jeannie sitzt seit ihrer Jugend zwar im Rollstuhl, lässt sich aber durch diese Tatsache keinesfalls ihren Schneid abkaufen. Sorge bereitet ihr allerdings Amanda, mit der sie gemeinsam einen kleinen Klamottenladen führt. Ihre jeweiligen Vorstellungen von Leitung und Ausrichtung des Geschäfts divergieren nämlich zusehends. Als schließlich Amanda sogar mit rechtlichen Schritten droht, sucht Jeannie Beistand von Merrill, ihrem Ex-Freund und ewigem Jurastudenten. Neben Ratschlägen und Unterstützung in den geschäftlichen Angelegenheiten bandeln die beiden früheren Liebhaber jedoch auch wieder miteinander an…

Lauren plagen währenddessen ganz andere Schwierigkeiten: Trotz ziemlich selbstbestimmter Trennung von ihrem Freund Scott befindet sie sich in einer unentschiedenen Zwischenlage, da sie nicht so recht weiß, wie es in ihrem Leben weitergehen soll. Ist es gut, impulsiv das Land zu verlassen und in Afrika als Lehrerin zu arbeiten? Ist es doch besser, in Austin zu bleiben, Jeannie mit den Rechtsstreitigkeiten beizustehen und ihrer Mutter ab und an unter die Arme zu greifen?

Stärker als in seinen bisherigen Filmen arbeitet Bujalski in Beeswax mit Script und Plot. Die Motivation dafür liegt in gattungstheoretischen Überlegungen, die er aus Unzufriedenheiten mit gängigen Justizthrillern herleitet. Anders als die üblichen Filme des Genres, deren Struktur eher detektivisch und aufregungsgeladen ist, geht es Bujalski um die Friktionen zwischen gelebten Interaktionen und ihrer distanzierten, prozeduralen Auflösung: „Mich interessierte eine Geschichte, in der die Grenze zwischen diesen beiden Welten – unsere Beziehungen im Leben und die auf dem Papier – zusammenbricht.“

Diesen abstrakt anmutenden Aspekten wird in Beeswax – ganz besonders durch die schauspielerischen Leistungen von Maggie und Tilly Hatcher – ein ebenso konkretes wie mitreißendes Antlitz verliehen, das die selten beachtete Spannung des Alltags unnachahmlich vor Augen führt.