Bei Heavy-Metal-Fans genießt die kanadische Band Anvil um Sänger Steve „Lips“ Kudlow längst Kultstatus. Ihre Songs mögen vielleicht nicht unbedingt zum Kanon der zeitlosen Klassiker des Genres gehören, sind aber fester Bestandteil jeder Rock-Enzyklopädie.

Das Problem ist nur: Anvil waren, wie Motörhead-Sänger Lemmy in einer Szene trocken kommentiert, „nicht zur richtigen Zeit, am richtigen Ort.“ Denn obwohl Ikonen wie Slash (Guns’n’Roses), Tom Araya (Slayer) oder Lars Ulrich (Metallica) der Band einen riesigen Einfluss auf die gesamte Branche bescheinigen, warten Anvil auch nach einem guten Vierteljahrhundert weiterhin auf den großen Durchbruch. Geld bringt ihnen die Musik schon lange nicht mehr ein. „Lips“ liefert Essen aus, Reiner arbeitet auf dem Bau. Doch trotz der konstanten Erfolglosigkeit haben beide den Traum vom Rockstar-Dasein nicht aufgeben.

Regisseur Sacha Gervasi, langjähriger Anvil-Fan und ehemaliger Roadie der Band, begleitete „Lips“ und Reiner fast drei Jahre lang mit der Kamera. Herzstück seiner grandiosen Dokumentation ist eine als Comeback gedachte Europatour, die als totale Katastrophe endet; inklusive Irrfahrten, Verspätungen, vorenthaltenen Gagen und einer heillos überforderten Managerin. Auf dem rumänischen „Monsters-of-Transylvania“-Festival scheint sich das Blatt zu wenden. Kurz lässt die Kamera den Zuschauer glauben, Anvil spielten nun endlich vor vollem Haus. Die Halle, wie wir erfahren, fasst 10.000 Gäste. Es waren nur 174 da.

Manche absurden Momente des Films scheinen eine Realentsprechung der legendären Mockumentary This is Spinal Tap zu sein, doch viel bewegender sind die Momente in den Interviews, in denen der ungebrochene Wille der beiden Freunde zu bröckeln beginnt und Enttäuschung und Resignation überhand nehmen.

Gervasi hat mit seinem Filmportrait nicht nur eine sehr unterhaltsame Banddokumentation, sondern auch ein Plädoyer für das Festhalten an den eigenen Traum gedreht. Oder um es mit den Worten von „Lips“ zu sagen: „We said we’re gonna do it until we’re old men. We really meant that.”