Nach dem bekannten Song von Velvet Underground benannt, gibt es seit 1999 das „All Tomorrow’s Parties“-Festival in England – geplant als eine Alternative in einem sponsorfreien und intimeren Rahmen als die riesigen, industrialisierten Festivals und mit einer Tendenz zu Post-Rock, Avantgarde und Underground HipHop. Das Festival gilt als Utopia der Indie-Musikwelt: initiiert von Liebhabern, kuratiert von Musikern, durchgeführt in einem skurrilen, lauschigen Feriendorf an der englischen Küste.

Die ATP-Macher gönnen sich nach zehn Jahren Festivalkult eine Hommage in eigener Sache. Dafür versammelt der Experimentalfilmer Jonathan Caouette („Shortbus“und „Tarnation“) im Cut-and-Paste-Stil zumeist vorgefundenes Material: Filmchen aus den Handys und Digicams der Festivalbesucher und Musiker. Wenn Caouette im nächsten Atemzug die Elektro-Noise-Exzesse der japanischen Band The Boredoms dagegen schneidet oder einen Vorgarten-Gig in Strumpfhosenmasken von Lightning Bolt, veranschaulicht das auch, auf welche Weise sich Underground-Kultur gewandelt hat: weg von der Musiker-Persona hin zum Happening. Längst hat das ATP am sogenannten Mainstream angedockt, so lässt sich bei Namen wie Animal Collective, Two Gallants, Gossip oder Battles nicht wirklich von ATP-Bands sprechen, auch wenn sich das die Macher wünschen würden und Jonathan Caouette mit seiner Collage den freien Geist des Anfangs noch einmal so richtig hochleben lässt.?