In dem armen, hauptsächlich arabisch geprägten Viertel Ajami in Tel Aviv leben Muslime, arabische Christen und Juden eng beieinander. Gewaltausbrüche gehören hier zur Tagesordnung. Während der 15-jährige Yahya friedlich an einem gelben Auto herumschraubt, nähern sich zwei Männer auf einem Moped und schießen ihn am helllichten Tag nieder. Er ist der erste Tote in einer blutigen Auseinandersetzung zwischen zwei verfeindeten Clans in Ajami.

Es stellt sich heraus, dass Yahya nicht einmal in diesen Streit verwickelt war, sondern einer Verwechslung zum Opfer fiel. Der Mordanschlag galt dem 19-jährigen Familienoberhaupt Omar, dessen Onkel den Fehdehandschuh warf, indem er einen Schutzgelderpresser erschoss.

Ajami verknüpft fünf Geschichten von im Viertel lebenden Menschen verschiedenster Religionen und erzählt aus unterschiedlichen Perspektiven und auf verschiedenen Zeitebenen von den jeweiligen Lebenswirklichkeiten der Menschen, die am Ende doch miteinander verstrickt sind. Da ist der palästinensische Jugendliche, der illegal in einem israelischen Restaurant arbeitet und dringend Geld für die Operation seiner kranken Mutter braucht. Da ist der jüdische Polizist, der verzweifelt nach seinem Bruder sucht, der als Soldat vermisst wird. Die Schicksale all dieser Figuren sind miteinander verwoben in diesem Schmelztiegel der Religionen, in dem der Nahost-Konflikt jederzeit präsent ist.

Nur selten erlebt das Kino eine so intensive Erzählung von der unauflöslichen Spirale aus Schuld, Rache und Gewalt. Zwischen Drogenhändlern, mächtigen Rache-Kommandos und heimlichen Liebespaaren erzählt der 2010 für den Auslands-Oscar nominierte Film Ajami eine kraftvolle menschliche Tragödie. In einer kunstvollen Montage zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gelingt dem jüdisch-arabischen Regie-Duo Scandar Copti und Yaron Shani ein überwältigendes Meisterwerk mit so herzzerreißenden wie schockierenden Einsichten in die Tragik menschlicher Existenz.