Nachdem wir im Januar 2009 mit „Rubljowka- Straße zur Glückseligkeit“ das Thema „Leben im zeitgenössischen Russland“ bereits in unserem Programm hatten und dieses auf rege Zuschauerresonanz stieß, legen wir nun nach. Diesmal geht es wieder ums Wohnen, allerdings nicht in oligarchischen Palästen, sondern in den sogenannten „Kommunalka“.
Die russische Variante einer Wohngemeinschaft ist mit hiesigen deutschen Verhältnissen freilich kaum zu vergleichen. Im Zuge des politischen Umbaus (genau das meint der Begriff Perestroika) wurden die ehemals staatlichen Wohnungen – in denen teils wildfremde Menschen miteinander auskommen mussten – privatisiert, indem die Bewohner ihre jeweiligen Zimmer zum Geschenk bekamen. Nun teilen sich in Christiane Brüchers Fallbeispiel vier Parteien eine Wohnung in St. Petersburg. Alle wollen sich verbessern, aber einfach ausziehen ist nicht. Entweder alle oder keiner, so die juridische Prämisse.
An dieser Stelle ist die organisatorische und psychotherapeutische Kompetenz (oder aber auch List) zweier Maklerinnen gefragt, die es jedem recht zu machen versuchen müssen. Es beginnt ein bürokratisches und zwischenmenschliches Geschachere, dessen Beschreibung als kafkaesk noch eine Untertreibung wäre, und kurz vor dem Ziel scheint das ganze Projekt nach monatelanger Planung doch noch zu scheitern. An einem Klecks!
„peresTROIKA – umBAU einer Wohnung“ bietet jedoch mehr als die spröde Darstellung grotesker russischer Lebenswelten. Im Verlauf der Handlung erzeugt der Film durchaus eine eigentümliche Spannung, die in einer Art Showdown kulminiert, wie man es eher von Action- oder Agentenfilmen gewohnt ist. Ebenso gibt es sehr komische Momente, die vor dem realen Hintergrund des Kapitalismus à la Mütterchen Russland eine bittere Note erhalten.